Hornisgrinde-Wolf: Begehung zwischen Untersmatt, Hochkopf und Bettelmannskopf

Am 9. September 2026 waren Bettina, Susanne, Sandra und ich von etwa 14:00 bis 17:15 Uhr im Gebiet zwischen Untersmatt, Hochkopf, Pfriemackerkopf, Hundseck und Bettelmannskopf unterwegs.

Das Wetter war kühl und leicht bewölkt, bei insgesamt guter Sicht. Auf dem Hochkopf wehte ein kräftiger Wind aus südlicher Richtung, im Wald war es deutlich geschützter.

Wir gingen im Wesentlichen dieselbe Route wie in der vergangenen Woche, diesmal jedoch in umgekehrter Richtung: von Untersmatt über den Hochkopf und Pfriemackerkopf hinunter Richtung Hundseck und anschließend über den Bettelmannskopf zurück nach Untersmatt.

„Je öfter ich dieselbe Strecke gehe, desto weniger sehe ich einzelne Orte – und desto mehr erkenne ich eine zusammenhängende Landschaft.“

Warum wir dieselben Wege wiederholen

Für mich wird es zunehmend interessant, dieselbe Strecke mehrfach zu gehen. Beim ersten Mal nimmt man einzelne Orte wahr. Mit jeder weiteren Begehung werden die Zusammenhänge deutlicher.

Inzwischen sehe ich Untersmatt, Hochkopf, Pfriemackerkopf, Hundseck und Bettelmannskopf weniger als einzelne Punkte, sondern zunehmend als eine zusammenhängende Landschaft. Wildkorridore und mögliche Bewegungsachsen setzen sich über weite Teile des Gebietes fort – von Untersmatt bis Hundseck und auch hinunter in Richtung Sackweg.

Besonders auffällig sind für mich inzwischen mehrere Übergangsbereiche. Beim Abstieg vom Pfriemackerkopf gibt es offenen Wald mit langen Sichtachsen. Am unteren Beginn des Anstiegs zum Bettelmannskopf befindet sich ein Bereich, den ich aufgrund meiner wiederholten Beobachtungen als starken Wildkorridor einschätze. Im Winter habe ich dort zahlreiche Wildspuren gesehen. Weiter unten befinden sich zudem mehrere Hochsitze.

Ein weiterer solcher Bereich liegt am Bettelmannskopf bei einer der Kamerapositionen und setzt sich in Richtung Untersmatt fort. In diesem Bereich habe ich bei früheren Begehungen auch den Hornisgrinde-Wolf gesehen.

„Die Wildkorridore enden für mich nicht am Bettelmannskopf. Sie verbinden den Raum von Untersmatt bis Hundseck und reichen weiter Richtung Sackweg.“

Schafe und Ziegen auf der Hochkopf-Grinde

Auf der Hochkopf-Grinde befanden sich die Schafe und Ziegen inzwischen auf der anderen Seite der Fläche. Der Elektrozaun stand wie bereits in der vergangenen Woche stabil und war deutlich unter Spannung. Die Tiere wirkten ruhig und entspannt. Mehrere vorbeikommende Wanderer blieben stehen und beobachteten sie.

Besonders interessant ist der sichtbare Unterschied zwischen der bereits beweideten Fläche und dem Bereich, in dem die Tiere jetzt stehen. Auf den Fotos wird unmittelbar verständlich, welche Funktion die Beweidung für die Offenhaltung der Grinde hat.

„Erst wenn man die beweidete und die noch nicht beweidete Fläche direkt nebeneinander sieht, versteht man, wie wichtig Schafe und Ziegen für die Grinde sind.“

Das Ganze findet auf rund 1.100 Metern Höhe in einer sehr exponierten Landschaft statt. Gleichzeitig ist uns für die vergangene Woche dort kein Wolfsriss bekannt.

Daraus lässt sich nicht beweisen, dass der Elektrozaun einen Angriff verhindert hat. Dokumentieren lässt sich aber: Die Herde steht in einem vom Wolf genutzten Gebiet, der Zaun war intakt und stark elektrifiziert, die Tiere wirkten ruhig und uns ist für diesen Zeitraum kein Riss bekannt.

Gerade weil größere Weideherden in unserer Region weniger zum alltäglichen Landschaftsbild gehören als in manchen anderen Wolfsgebieten Deutschlands, finde ich diese Beobachtung besonders interessant.

„Wolf, Weidetiere und Herdenschutz sind hier keine abstrakten Themen. Auf dem Hochkopf kann man beobachten, wie diese Elemente in derselben Landschaft zusammentreffen.“

Keine Sichtung des Hornisgrinde-Wolfs

Während unserer gut dreistündigen Begehung sahen wir weder den Wolf noch andere größere Wildtiere.

Das macht die Begehung jedoch nicht weniger interessant. Wir nutzten die Zeit dazu, die Landschaft genauer zu beobachten: Waldstrukturen, offene Bereiche, Übergänge, Sichtachsen und mögliche Wildkorridore.

Mein persönliches Highlight war ein Tannenhäher am Pfriemackerkopf. Auch die ersten Pilze zeigten sich – darunter Boviste und Goldröhrlinge.

Die wiederholten Begehungen verändern meinen Blick auf das Gebiet. Wo ich anfangs einzelne Wege, Sichtungen und Orte gesehen habe, erkenne ich zunehmend ein zusammenhängendes System aus Wald, Grinden, Wildkorridoren, Weidetieren und menschlicher Nutzung.

Für die reine Beobachtung wäre es deshalb auch nicht immer notwendig, die komplette Runde zu laufen. Bestimmte Übergänge und Korridore lassen sich gezielter beobachten.

Trotzdem ist die gesamte Runde sehr lohnend: gute Sicht, abwechslungsreiche Landschaft und überwiegend gleichmäßige Anstiege.

„Auch eine Begehung ohne Wolfssichtung liefert Informationen. Entscheidend ist nicht eine einzelne Sichtung, sondern was man durch wiederholte Beobachtung über das Gebiet lernt.“

FAQ zur Begehung am 9. September 2026

Wurde der Hornisgrinde-Wolf am 9. September gesehen?
Nein. Während der Begehung zwischen etwa 14:00 und 17:15 Uhr hatten wir keine Wolfssichtung und fanden auch keine eindeutigen Hinweise auf seine Anwesenheit.

Wo verlief die Route?
Von Untersmatt über Hochkopf und Pfriemackerkopf Richtung Hundseck und anschließend über den Bettelmannskopf zurück nach Untersmatt. Es war weitgehend dieselbe Runde wie bei unserer vorherigen Begehung, diesmal in umgekehrter Richtung.

Gab es Wolfsrisse bei den Schafen und Ziegen auf dem Hochkopf?
Uns sind für die zurückliegende Woche keine Wolfsrisse an dieser Herde bekannt. Das ist eine dokumentierte Nullbeobachtung beziehungsweise das Fehlen uns bekannter Rissmeldungen – kein Beweis dafür, dass der Wolf nicht in diesem Gebiet unterwegs war.

Ist der Elektrozaun auf dem Hochkopf wirksam?
Bei unserer Begehung war der Zaun stabil und deutlich unter Spannung. Die Tiere wirkten ruhig. Aus diesen Beobachtungen allein lässt sich jedoch nicht ableiten, ob der Zaun bereits einen Wolfsangriff verhindert hat.

Warum wird dieselbe Strecke wiederholt begangen?
Weil sich dadurch Veränderungen und räumliche Zusammenhänge besser erkennen lassen. Einzelne Wege, Waldabschnitte und Sichtungsorte beginnen sich zu einem Gesamtbild aus Wildkorridoren, Grinden, Wald, Weidetieren und menschlicher Nutzung zusammenzufügen.

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