Grindi-Wolf und Wolfsschutz-Deutschland: Die Begegnung bei Herrenwies

Im Februar 2026 kam es bei Herrenwies zu einer Begegnung zwischen dem Grindi-Wolf GW2672m, Mitgliedern von Wolfsschutz-Deutschland und einem Team des SWR. Der Vorgang wurde anschließend im Zusammenhang mit der Debatte über sogenannten „Wolfstourismus“ öffentlich diskutiert.
Mit zeitlichem Abstand lohnt sich eine sachliche Rekonstruktion: Was ist dokumentiert, was sagt Wolfsschutz-Deutschland selbst – und welche Frage bleibt?

Was ist dokumentiert?

Der SWR berichtete über die Begegnung bei Herrenwies. Grindi befand sich zunächst in größerer Entfernung und wurde beobachtet und fotografiert. Bei der Gruppe war auch ein angeleinter Hund.

Das war insofern relevant, als Begegnungen Grindi–Hund bereits damals eine Rolle bei der Bewertung seines Verhaltens spielten. Gleichzeitig befand sich der Wolf in einer besonders sensiblen Situation: Eine mögliche Entnahme wurde intensiv diskutiert.

Der SWR stellte deshalb die Frage nach „Wolfstourismus“ und danach, ob menschliche Aufmerksamkeit eine weitere Gewöhnung des Wolfes begünstigen könnte.

Was sagt Wolfsschutz-Deutschland?

Wolfsschutz-Deutschland widersprach der Darstellung, bei der Begegnung habe es sich um „Wolfstourismus“ gehandelt.

Nach Angaben des Vereins war das Zusammentreffen mit Grindi nicht geplant und die eigentliche Monitoring-Tour hatte noch nicht begonnen. Wolfsschutz-Deutschland erklärte außerdem, Brigitte Sommer habe den Wolf anschließend zum Weiterziehen bewegt.

Diese Darstellung gehört zur Rekonstruktion des Vorgangs.

Nicht eindeutig öffentlich dokumentiert sind dagegen sämtliche Einzelheiten der Route und die genaue zeitliche Abfolge der Begegnung. Wo Belege fehlen oder Darstellungen auseinandergehen, sollte dies offenbleiben.

Die entscheidende Frage: Was passiert nach der Begegnung?

Eine Wanderung durch Wolfsgebiet ist kein Wolfstourismus. Auch eine zufällige Begegnung mit einem Wolf ist zunächst genau das: eine Begegnung.

Entscheidend wird das Verhalten danach.

Wenn bei einem Wolf bereits eine mögliche Gewöhnung an Menschen und insbesondere ein Interesse an Hunden diskutiert wird, stellt sich eine einfache Frage:

Sollte eine solche Begegnung zunächst dokumentiert werden – oder sollte unmittelbar versucht werden, den Wolf auf Distanz zu bringen?

Genau hier liegt aus meiner Sicht das eigentliche Problem der Herrenwies-Begegnung.

Meine eigenen Begegnungen mit Grindi

Ich, Donald Pennet von Grindi-Wolf.de, bin Grindi inzwischen mehrfach begegnet.

Bei diesen Begegnungen habe ich nicht versucht, zunächst möglichst gute Fotos von ihm zu machen. Wenn Grindi mich wahrgenommen hat, habe ich gestikuliert und ihn laut angesprochen, damit er sich entfernt.

Meine Beobachtungen sind keine wissenschaftliche Untersuchung und lassen sich nicht einfach auf andere Begegnungen übertragen. Sie haben mich jedoch zu einer klaren persönlichen Haltung geführt:

Bei einem Wolf, dessen Nähe zu Menschen Gegenstand einer möglichen Vergrämung oder sogar Entnahme ist, sollte das unmittelbare Herstellen von Distanz Vorrang vor dem Fotografieren haben.

Nach meiner Einschätzung hätte deshalb auch bei der Begegnung bei Herrenwies von Beginn an versucht werden sollen, Grindi zum Weiterziehen zu bewegen.

Wolfsschutz-Deutschland gibt an, dass dies später auch geschah. Meine Kritik richtet sich daher nicht gegen die Behauptung, dass Grindi schließlich vertrieben wurde. Sie betrifft die Reihenfolge.

Der Hund gehört zur Einordnung

Auch die Anwesenheit eines Hundes sollte weder dramatisiert noch ausgeblendet werden. Nach den vorliegenden Darstellungen war der Hund angeleint.

Gerade weil Hunde bei den dokumentierten Begegnungen mit Grindi eine besondere Rolle spielten, stellt sich jedoch die Frage, ob bei Monitoring oder gezielter Dokumentation in seinem Aufenthaltsgebiet besondere Zurückhaltung geboten ist.

Das betrifft nicht nur Wolfsschutz-Deutschland. Derselbe Maßstab muss für Wanderer, Fotografen, Medien, Organisationen und auch für Grindi-Wolf.de gelten.

Das falsche Signal

Die persönliche Kritik und der damalige Shitstorm gegen Brigitte Sommer sind von dieser Sachfrage zu trennen. Persönliche Angriffe helfen weder der Dokumentation noch dem Wolfsschutz.

Trotzdem halte ich die öffentliche Wirkung der Begegnung für problematisch.

In einer Phase, in der gerade die Gewöhnung des Wolfes an Menschen und Hunde diskutiert wurde, entstand durch die Bilder der Eindruck, dass eine besondere Begegnung mit Grindi zunächst eine Gelegenheit zur Beobachtung und Fotografie sein könne.

Aus meiner Sicht war das das falsche Signal.

Die bessere Botschaft wäre gewesen:

Wenn Grindi erscheint, nicht versuchen, die Begegnung zu verlängern. Abstand schaffen, deutlich reagieren und ihm vermitteln, dass die Nähe zum Menschen nicht erwünscht ist.

Das ist keine Aussage darüber, warum die Beteiligten damals handelten, wie sie handelten. Es ist eine Schlussfolgerung darüber, welchen Umgang mit Grindi ich heute für richtig halte.

Denn beim Wolfsschutz sollte nicht entscheidend sein, wer dem Wolf begegnet.

Entscheidend ist, wie wir uns verhalten, wenn er uns begegnet.

Grindi-Wolf am Bettelmannskopf: Die Beobachtungspunkte im Nordschwarzwald


 

 

©Urheberrecht. Alle Rechte vorbehalten.

Information icon

Wir benötigen Ihre Zustimmung zum Laden der Übersetzungen

Wir nutzen einen Drittanbieter-Service, um den Inhalt der Website zu übersetzen, der möglicherweise Daten über Ihre Aktivitäten sammelt. Bitte überprüfen Sie die Details in der Datenschutzerklärung und akzeptieren Sie den Dienst, um die Übersetzungen zu sehen.