Südkurier über Grindi: Sichtungen unter zehn Metern, Vergrämung und offene Fragen
Stand: 2. September 2026
Am 31. August 2026 veröffentlichte der Südkurier einen neuen Bericht über den Hornisgrinde-Wolf GW2672m („Grindi“) und die geplante Vergrämung.
Der Artikel enthält drei Aussagen, die für die aktuelle Situation wesentlich sind.
Wir dokumentieren sie hier so, wie sie veröffentlicht wurden. Wir bewerten sie nicht und ziehen daraus keine biologischen Schlussfolgerungen.
Anette Burkholder: „Regelmäßig“
Der Südkurier berichtet aus der Besucherinformation des Nationalparks Schwarzwald in Herrenwies.
Dort wird Anette Burkholder, Mitarbeiterin der Besucherinformation, gefragt, ob Besucher zu ihr kommen, die Grindi gesehen haben.
Ihre Antwort:
„Regelmäßig.“
Damit ist eine konkrete Aussage einer namentlich genannten Mitarbeiterin des Nationalparks dokumentiert: Besucher berichten in der Besucherinformation regelmäßig davon, Grindi gesehen zu haben.
Die Aussage beantwortet jedoch nicht:
Wann fanden diese Sichtungen statt?
In welcher Entfernung?
Wie verhielt sich der Wolf?
Eine Sichtung ist zunächst eine Sichtung.
Südkurier: „mehrfach näher als zehn Meter“
Im nächsten Absatz wird der Artikel wesentlich konkreter.
Der Südkurier schreibt, Grindi habe sich auch während der warmen Jahreszeit immer wieder Menschen genähert. Anschließend heißt es:
„Grindi kam mehrfach näher als zehn Meter heran.“
Diese Aussage ist wichtig einzuordnen.
Sie wird im Artikel nicht Anette Burkholder zugeschrieben. Sie erscheint auch nicht als direktes Zitat von Ranger Urs Reif, dem Nationalpark oder dem Agrarministerium.
Es handelt sich an dieser Stelle um eine Aussage des Südkuriers.
Der Artikel nennt dazu keine einzelnen Begegnungen, keine Daten und keine zugrunde liegende Dokumentation.
Das bedeutet nicht, dass solche Begegnungen nicht stattgefunden haben.
Es bedeutet lediglich:
Der Südkurier berichtet von mehrfachen Annäherungen unter zehn Metern.
Der Artikel dokumentiert die einzelnen Fälle nicht.
Die Aussage ist anhand des Artikels allein nicht überprüfbar.
Damit bleibt eine einfache Frage:
Welche dokumentierten Begegnungen liegen dieser Aussage zugrunde?
Wann fanden sie statt?
Wie wurde die Entfernung festgestellt?
Und wo sind diese aktuellen Begegnungen dokumentiert?
Urs Reif: Vergrämung und Winter
Am Ende des Artikels wird Urs Reif, Ranger im Nationalpark Schwarzwald, direkt zitiert.
Der Südkurier berichtet zuvor über das Monitoring mit Wildtierkameras und die geplante Vergrämung. Anschließend sagt Reif:
„Wenn die Vergrämung verhindert wird, kann man sich ausrechnen, was das im Winter bedeutet.“
Auch diesen Satz lassen wir zunächst so stehen, wie er veröffentlicht wurde.
Wir interpretieren nicht, was Urs Reif mit „was das im Winter bedeutet“ konkret meint.
Wir halten lediglich fest:
Vergrämung.
Verhinderung.
Winter.
Der Zusammenhang wird im Artikel hergestellt. Was daraus konkret folgen soll, wird in diesem Satz nicht ausgesprochen.
Was über die geplante Vergrämung bekannt ist
Der Südkurier nennt als mögliche Maßnahmen Lärm, Gummigeschosse und Paintball-Beschuss.
Als letztes Mittel wird auch ein sogenannter Hard Release beschrieben.
Gleichzeitig zitiert der Artikel das Agrarministerium mit der Aussage, dass die konkrete Ausgestaltung weiterer Versuche noch erarbeitet werde.
Damit ist auch hier wichtig, zwischen zwei Dingen zu unterscheiden:
Genannte mögliche Methoden sind nicht automatisch beschlossene konkrete Maßnahmen.
Welche Maßnahmen bei Grindi tatsächlich eingesetzt werden sollen, bleibt nach diesem Artikel offen.
Drei Punkte bleiben
Der Südkurier-Artikel vom 31. August 2026 dokumentiert damit drei zentrale Punkte:
Anette Burkholder: Besucher berichten „regelmäßig“ von Grindi-Sichtungen.
Südkurier: Grindi sei „mehrfach näher als zehn Meter“ an Menschen herangekommen.
Urs Reif: „Wenn die Vergrämung verhindert wird, kann man sich ausrechnen, was das im Winter bedeutet.“
Zwischen diesen drei Aussagen liegt die entscheidende offene Ebene:
die Dokumentation der konkreten Begegnungen.
Regelmäßige Sichtungen allein sagen nichts über deren Abstand aus.
Der Südkurier nennt mehrfach weniger als zehn Meter, legt im Artikel aber die konkreten Fälle nicht dar.
Und Urs Reif stellt einen Zusammenhang zwischen Vergrämung und Winter her, ohne in dem zitierten Satz auszuführen, welche konkrete Konsequenz er damit bezeichnet.
Wir beantworten diese offenen Fragen nicht.
Wir dokumentieren, wer was gesagt hat – und welche Belege der veröffentlichte Artikel dafür erkennen lässt.
Südkurier: „Scheu zu werden, ist die letzte Chance für den Hornisgrinde-Wolf“ – 31. August 2026
Weitere Berichte vom selben Zeitpunkt
Rund um denselben Zeitpunkt erschienen weitere Medienberichte zur geplanten Vergrämung des Hornisgrinde-Wolfs.
Die BNN veröffentlichten einen Beitrag unter dem Titel „Ein Vergrämungskonzept wird erarbeitet: Die letzte Chance für den Hornisgrinde-Wolf“.
BNN: „Ein Vergrämungskonzept wird erarbeitet“
Auch die Südwest Presse veröffentlichte am 31. August 2026 einen Beitrag über Grindi, Vergrämung, Lärm und Paintball.
SWP: „Alternative zum Schießgewehr – Grindi mit Lärm und Paintballs vertreiben?“
Wir leiten aus dem zeitgleichen Erscheinen dieser Berichte keine weitere Aussage ab.
Wir dokumentieren lediglich, dass diese Berichte Ende August 2026 nahezu zeitgleich erschienen sind.
Gentges, Grindi und der Hard Release: Wie weit darf die Vergrämung gehen?
GW2672m und der Nationalpark: die dokumentierte Lücke 2024–2025