

Hochkopf: Schafe und Ziegen im Wolfsgebiet
03.09.2026 | Beobachtung auf der Grindefläche am Hochkopf
Am 3. September 2026 waren wir zu dritt auf einer rund 8,5 Kilometer langen Runde vom Hundseck über Bettelmannskopf, Hochkopf und Pfrimackerkopf unterwegs. Auf der Grindefläche am Hochkopf trafen wir auf eine größere Herde aus Schafen und Ziegen. Die Tiere befanden sich auf einer mit Elektrozaun gesicherten Weidefläche.
Die Beobachtung ist im Zusammenhang mit dem Hornisgrinde-Wolf interessant: Hier findet Beweidung in einem Gebiet statt, in dem gleichzeitig ein Wolf lebt. Die offenen Grindeflächen sind keine unberührte Landschaft, sondern werden durch Beweidung erhalten.
Zwei Beobachtungen derselben Situation
Bettina Vögele -Diebold beschreibt die Situation in ihrem persönlichen Wanderbericht so:
Für sie war gerade das Nebeneinander von Weidetieren und Wolfsgebiet bemerkenswert:
„Wie schön, zu sehen, dass es möglich ist, dass in einem Wolfsgebiet Schafe, Ziegen und Rinder […] weiden können, das nennt sich wohl gelungene Coexistenz.“
In meinem eigenen Bericht über dieselbe Wanderung habe ich die Beobachtung bewusst zurückhaltender eingeordnet:
„In einem Gebiet, in dem sich ein Wolf aufhält, findet gleichzeitig Weidehaltung statt. Bei unserem Besuch war die Herde ruhig auf der Fläche; erkennbare Schäden oder einen Riss haben wir nicht festgestellt.“
Was lässt sich daraus ableiten?
Zunächst nur das, was wir tatsächlich beobachten konnten:
Am 3. September befanden sich Schafe und Ziegen auf einer mit Elektrozaun gesicherten Weidefläche am Hochkopf. Die Tiere wirkten bei unserem Besuch ruhig. Erkennbare Schäden oder Hinweise auf einen Wolfsriss stellten wir nicht fest.
Ob es dort zuvor Wolfsrisse, Annäherungen oder andere Vorfälle gegeben hat, können wir aus dieser Beobachtung allein nicht beantworten.
Deshalb wäre es ebenso falsch, aus diesem einzelnen Besuch einen Beweis für grundsätzlich konfliktfreie Koexistenz abzuleiten, wie aus der bloßen Anwesenheit eines Wolfes automatisch eine Gefährdung der Weidetiere abzuleiten.
Dokumentiert ist zunächst etwas Einfacheres: Weidehaltung findet hier trotz Wolfspräsenz statt.
Beweidung gehört zur Grindelandschaft
Gerade auf den offenen Hochflächen ist diese Beobachtung relevant. Schafe, Ziegen und teilweise auch Rinder werden zur Pflege der Grindeflächen eingesetzt. Beweidung und der Schutz dieser besonderen Kulturlandschaft gehören damit zusammen.
Die entscheidende Frage ist deshalb nicht, ob Wolf oder Weidehaltung möglich ist.
Die praktisch interessantere Frage lautet:
Unter welchen Bedingungen können Weidetiere und Wolf im selben Landschaftsraum existieren?
Der Hochkopf liefert darauf noch keine abschließende Antwort. Aber er bietet einen konkreten Ort, an dem man diese Frage beobachten und dokumentieren kann.
Genau das wollen wir in den kommenden Monaten weiter tun: beobachten, festhalten und sauber zwischen dem unterscheiden, was wir gesehen haben, und dem, was daraus tatsächlich geschlossen werden kann.
Quellen und Transparenz
Die Beobachtungen stammen von der gemeinsamen Wanderung am 3. September 2026. Die Zitate von Bettina Vögele-Diepold stammen aus ihrem persönlichen Wanderbericht. Die zweite Einordnung stammt aus meinem Bericht über dieselbe Tour.
Die persönlichen Bewertungen der jeweiligen Autoren bleiben als solche gekennzeichnet. Aus der einzelnen Beobachtung wird keine Aussage über die allgemeine Wirksamkeit des Herdenschutzes oder das generelle Risiko von Wolfsübergriffen abgeleitet.