Wolfsschutz-Deutschland und Naturschutzinitiative: Wie werden aus Informationen Aussagen?

Wer Behörden, Nationalpark oder Ministerium kritisch begleitet und dort Transparenz, Belege und eine saubere Trennung zwischen Tatsachen und Interpretation fordert, muss denselben Maßstab auch an die eigene Seite anlegen.
Das gilt ebenso für Grindi-Wolf.
Deshalb lohnt sich ein nüchterner Blick darauf, wie unterschiedliche Wolfschutzorganisationen öffentlich kommunizieren. Nicht um zu entscheiden, wer „besser“ oder „schlechter“ arbeitet, sondern um zu dokumentieren: Was ist bekannt? Was ist nicht bekannt? Was ist Interpretation?

Naturschutzinitiative: Kenntnisstand wird nachträglich klarer

Die Naturschutzinitiative e.V. (NI) unterstützte grundsätzlich weitere Vergrämungsmaßnahmen beim Hornisgrinde-Wolf GW2672m.

Später stellte sie jedoch ausdrücklich klar, dass sie lediglich beratend beteiligt sei und ihr keine weiteren Einzelheiten über das konkrete Konzept vorlägen.

In ihrer aktuellen Stellungnahme vom 3. September geht sie noch einen Schritt weiter:

  • Es sei noch nicht entschieden, wer eine mögliche Maßnahme durchführen werde.
  • Die Methode sei noch nicht festgelegt.
  • Ein konkreter Ablauf stehe noch nicht fest.
  • Beschreibungen in Zeitungsartikeln seien nicht mit bereits getroffenen Entscheidungen gleichzusetzen.
  • Jede Maßnahme müsse fachlich, rechtlich und tierschutzrechtlich geprüft werden.

Damit lässt sich heute klarer unterscheiden zwischen der grundsätzlichen Unterstützung einer Vergrämung und der Kenntnis konkreter Methoden.

Für unsere eigene Dokumentation ist diese Unterscheidung wichtig. Auch wir haben nach Bekanntwerden der Berichte über eine mögliche Hartvergrämung gefragt, was die NI zu diesem Zeitpunkt wusste.

Nach ihren inzwischen veröffentlichten Angaben gibt es keinen belastbaren Grund für die Behauptung, die NI habe bei ihrer ursprünglichen Unterstützung bereits Kenntnis von einem konkret geplanten Hard Release gehabt.

Das muss genauso dokumentiert werden wie die ursprüngliche offene Frage.

Wolfsschutz-Deutschland: Welche Wirkung lässt sich belegen?

Wolfsschutz-Deutschland veröffentlichte ebenfalls am 3. September einen Beitrag mit der Überschrift:

„Unser Druck wirkt: Wolfsmonitoring darf nicht länger in der Hand der Jägerschaft liegen.“

Ausgangspunkt sind Differenzen zwischen Ministerium und Jägerschaft beim Wolfsmonitoring. Der Verein verbindet diese Entwicklung mit seiner eigenen, bereits länger vertretenen Forderung nach einer Veränderung des Monitorings.

Im Beitrag wird die Aussage etwas vorsichtiger formuliert: Der eigene Druck „scheint zu wirken“.

Damit müssen auch hier zwei Ebenen getrennt werden:

Dokumentiert ist, dass es Differenzen um das Monitoring gibt und dass Wolfsschutz-Deutschland entsprechende Veränderungen seit längerer Zeit fordert.

Eine davon getrennte Frage ist, welchen kausalen Anteil der öffentliche Druck des Vereins an dieser Entwicklung tatsächlich hatte.

Auch hier gilt deshalb derselbe Maßstab: Eine zeitliche Übereinstimmung oder eine Entwicklung in die gewünschte Richtung belegt für sich genommen noch keine Ursache.

Derselbe Maßstab für alle

Genau hier liegt für uns der entscheidende Punkt.

Wir stellen Fragen an Behörden. Wir hinterfragen Aussagen des Nationalparks. Wir verlangen Belege für weitreichende Behauptungen über GW2672m.

Dann müssen wir dieselbe Sorgfalt auch gegenüber Aussagen von Organisationen anwenden, deren Ziel – der Schutz des Wolfes – wir grundsätzlich teilen.

Und wir müssen sie auf unsere eigenen Texte anwenden.

Eine offene Frage darf nicht nachträglich zur Tatsache werden. Eine Möglichkeit ist keine Entscheidung. Eine zeitliche Abfolge beweist keine Kausalität. Und wenn neue Informationen eine frühere Frage beantworten, muss auch das sichtbar dokumentiert werden.

Der Maßstab ist deshalb unabhängig vom Absender:

Was ist dokumentiert? Was sagt die Quelle selbst? Was bleibt offen? Und was ist unsere Interpretation?

Grindi und der „Hard Release“: Was bedeutet diese Form der Vergrämung?

Grindi und der Nationalpark: Ist die Situation noch unter Kontrolle?

Grindi-Wolf und Wolfsschutz-Deutschland: Die Begegnung bei Herrenwies

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