Reichweite ist nicht Organisation – und Organisation nicht Repräsentation.

Hornisgrinde-Wolf: Was Facebook-Gruppen und Bürgerinitiativen leisten

Rund um den Hornisgrinde-Wolf GW2672m im Nordschwarzwald entstanden 2026 unterschiedliche Formen des Engagements. Die Facebook-Gruppe „Laufen für den Hornisgrindewolf“ wuchs auf rund 600 Mitglieder. Im September gründeten Petra Schell und Tanja Rall die Bürgerinitiative „Der Hornisgrinde Wolf soll leben“ in Bühl. Der Fall zeigt die Stärke sozialer Netzwerke – aber auch den Unterschied zwischen Reichweite, Organisation und tatsächlicher Repräsentation.

Facebook kann schnell mobilisieren – aber kann eine Gruppe auch organisieren?

Die Stärke einer Facebook-Gruppe ist offensichtlich: Menschen mit einem gemeinsamen Interesse finden sich schnell. Informationen verbreiten sich innerhalb weniger Minuten, Veranstaltungen können mobilisieren und aus einzelnen Personen kann eine Community entstehen.

Genau das geschah beim Hornisgrinde-Wolf während der ersten Diskussion um eine mögliche Entnahme im Frühjahr 2026.

Aber mit der Größe entsteht ein anderes Problem:

Mehr Mitglieder bedeuten mehr Kommunikation, mehr Fragen und mehr Moderation.

Eine Gruppe mit 600 Mitgliedern ist deshalb nicht automatisch eine Organisation mit 600 aktiven Personen.

Meine Erfahrung mit „Laufen für den Hornisgrindewolf“

Ich, Donald Pennet, trat der Gruppe vor der Mahnwache in Sand bei. Damals war ich im Gebiet um Hornisgrinde und Nationalpark Schwarzwald noch nicht besonders ortskundig.

Am Freitag vor der Mahnwache berichtete jemand in der Gruppe, einen Schuss gehört zu haben. Es entstand große Unruhe und zeitweise die Befürchtung, Grindi sei erschossen worden. Das bestätigte sich nicht.

Für mich zeigte die Situation aber eine Schwäche des Systems: Informationen verbreiteten sich extrem schnell, ließen sich aber wesentlich schwieriger einordnen und verifizieren.

Gleichzeitig hieß es, es sei hilfreich, im Gebiet zu wandern. Nur: Wo?

Nicht nur ich stellte diese Frage. Menschen wollten teilweise von deutlich weiter weg als Bad Herrenalb anreisen und wussten nicht, wohin sie gehen sollten. Ich nahm zunehmende Frustration wahr, weil praktische Orientierung fehlte.

Andere Mitglieder und ich versuchten, diese Lücke zu schließen und Informationen beizutragen. Wir wurden schließlich von den Moderatoren entfernt; zu den damaligen Verantwortlichen gehörte auch Petra Schell.

Warum diese Entscheidungen intern getroffen wurden, kann ich nicht beurteilen. Für mich blieb aber eine wichtige Erfahrung:

Eine Facebook-Gruppe kann Menschen hervorragend mobilisieren. Wenn Information, Moderation und Koordination jedoch bei wenigen Personen zusammenlaufen, kann ihre eigene Größe zum Problem werden.

Was ändert eine Bürgerinitiative?

Im September entstand mit „Der Hornisgrinde Wolf soll leben“ eine neue Struktur. Als Initiatorinnen traten Petra Schell und Tanja Rall auf; am 18. September organisierte die Bürgerinitiative eine Mahnwache in Bühl.

Eine Bürgerinitiative kann gegenüber einer großen Facebook-Gruppe Vorteile haben: klarere Ansprechpartner, schnellere Entscheidungen und kontrolliertere Kommunikation.

Interessant ist aber, was der Begriff tatsächlich bedeutet.

Die Bundeszentrale für politische Bildung beschreibt Bürgerinitiativen als meist lockere Zusammenschlüsse von Bürgern, die aus einem konkreten Anlass entstehen und Öffentlichkeit mobilisieren. Eine bestimmte Größe oder formelle Organisationsstruktur gehört nicht zu den notwendigen Merkmalen.

Eine Bürgerinitiative kann also durchaus von sehr wenigen Menschen gegründet werden.

Das bedeutet aber auch:

Die Bezeichnung „Bürgerinitiative“ sagt für sich allein nichts darüber aus, wie viele Bürger sie tatsächlich repräsentiert.

Bürgerinitiative ist nicht Bürgerbegehren

Diese Unterscheidung ist wichtig, weil die Bürgerinitiative „Der Hornisgrinde Wolf soll leben“ auf ihrer Facebook-Seite selbst auf Bürgerbegehren und Volksbegehren als demokratische Instrumente hingewiesen hat.

Ein Bürgerbegehren ist jedoch etwas anderes als eine Bürgerinitiative. In Baden-Württemberg ist es ein gesetzlich geregeltes kommunales Verfahren und muss unter anderem von mindestens sieben Prozent der Bürger einer Gemeinde unterzeichnet werden.

Damit lassen sich drei Dinge klar trennen:

Facebook-Gruppe → Reichweite und Community

Bürgerinitiative → Organisation und öffentliche Interessenvertretung

Bürgerbegehren → formelles demokratisches Verfahren

Keines davon beweist automatisch, wie viele Menschen tatsächlich hinter einer konkreten Position stehen.

Reichweite ist nicht Organisation – Organisation ist nicht Repräsentation

Der Fall des Hornisgrinde-Wolfs GW2672m zeigt deshalb etwas, das weit über Grindi hinausgeht.

„Laufen für den Hornisgrindewolf“ konnte innerhalb kurzer Zeit ein Netzwerk von rund 600 Menschen aufbauen. Die neue Bürgerinitiative von Petra Schell und Tanja Rall schafft dagegen eine kleinere und stärker gebündelte Organisationsstruktur.

Beides hat Vor- und Nachteile.

Die entscheidende Frage ist nicht, welche Bezeichnung stärker klingt.

Sie lautet:

Wie organisiert man eine gewachsene Community, ohne ihre Reichweite zu verlieren – und wie schafft man eine klare Organisation, ohne Engagement und Information wieder auf einen kleinen Kreis zu konzentrieren?

Beim Hornisgrinde-Wolf im Nordschwarzwald lässt sich genau diese Entwicklung derzeit beobachten.

 

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