Grindi und GW999m: Wird der Wolf zum Sündenbock?

GW999m im Oberallgäu und Grindi (GW2672m) im Nordschwarzwald sind unterschiedliche Fälle. Doch beide werfen dieselbe Frage auf: Was wird durch die Tötung eines Wolfs tatsächlich gelöst – und welche langfristigen Folgen kann eine kurzfristige Entscheidung haben?

Wenn ein Wolf tatsächlich Schaden verursacht

Wenn ein bestimmter Wolf wiederholt geschützte Weidetiere reißt, erscheint die Diskussion über eine gezielte Entnahme zumindest nachvollziehbar.

Bei GW999m ist die Situation anders. Der BUND Naturschutz erklärt, der seit Jahren im südlichen Oberallgäu lebende Wolf habe bislang keine Schafe oder Rinder gerissen. Trotzdem könnte er aufgrund der neuen flächenbezogenen Regelung getötet werden.

Damit stellt sich eine einfache Frage:

Was soll der Tod dieses Wolfs konkret verändern?

Das Gelände bleibt schwer zu schützen. Die Weidetiere bleiben. Andere Wölfe können kommen.

Grindi zeigt die Folgen einer Entnahmeentscheidung

Bei Grindi haben wir bereits erlebt, dass allein die geplante Entnahme weit mehr auslöste als eine Diskussion über einen einzelnen Wolf.

Menschen mobilisierten sich, Verbände klagten, Medien berichteten und die Entscheidungen der Behörden wurden öffentlich hinterfragt. Der VGH Baden-Württemberg hielt die damalige befristete Tötungsgenehmigung in den Eilverfahren zwar für voraussichtlich rechtmäßig.

Aber damit verschwand der Konflikt nicht.

Eine erneute Entnahme könnte deshalb auch für den Nationalpark langfristige Folgen haben: mehr Aufmerksamkeit, mehr Fragen und einen noch größeren Rechtfertigungsdruck.

Der Fall „Dolly“ zeigt ein weiteres Risiko

Auch eine geplante Entnahme kann anders enden als vorgesehen.

Bei der Jagd auf GW950m – den Wolf, der Ursula von der Leyens Pony Dolly getötet hatte – wurde schließlich nicht GW950m, sondern seine Partnerin erschossen. Der Fall war zudem Gegenstand mehrerer gerichtlicher Auseinandersetzungen.

Das lässt sich nicht einfach auf Grindi oder GW999m übertragen. Es zeigt aber: Der Schuss ist endgültig, seine Folgen sind nicht vollständig kontrollierbar.

Was bleibt nach dem Schuss?

Genau hier treffen sich GW999m und Grindi.

Ein Wolf kann innerhalb von Sekunden getötet werden. Doch das ursprüngliche Problem kann bleiben – und gleichzeitig können neue Probleme entstehen:

Rechtsstreit, Mobilisierung, Misstrauen, öffentliche Aufmerksamkeit und die Frage, was beim nächsten Wolf geschieht.

Deshalb sollte vor einer Entnahme nicht nur gefragt werden:

Dürfen wir diesen Wolf töten?

Sondern viel grundsätzlicher:

Was haben wir langfristig damit gewonnen?

Denn wenn die Ursachen des Konflikts nach dem Tod des Wolfs weiterbestehen, besteht die Gefahr, dass der Wolf zum Sündenbock für ein Problem wird, das sein Tod gar nicht löst.

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