
Grindi-Wolf: Sandra über Vergrämung, Mahnwachen und ihre Erfahrungen
Sandra schildert in diesem persönlichen Erfahrungsbericht ihre Sicht auf den Grindi-Wolf (GW2672m), die frühere Abschussgenehmigung und die aktuell diskutierte Vergrämung des Wolfes im Nordschwarzwald. Sie berichtet außerdem von ihren Erfahrungen bei den Mahnwachen und beim „Laufen für den Hornisgrindewolf“ sowie davon, dass sie trotz vieler Stunden im Gebiet selbst keinen Wolf gesehen hat.
Der folgende Beitrag stammt von Sandra und wird in ihren eigenen Worten und inhaltlich unverändert veröffentlicht. Aussagen, Einschätzungen und Schlussfolgerungen im Text geben ihre persönliche Wahrnehmung und Meinung wieder.
„Der Wald ist sein Zuhause und wir sind hier Gast“
Vergrämung des Wolfes Grindi. Ich muss ehrlich sagen, dass ich davon gar nichts halte. Einen Wolf, der nun schon einige Jahre hier lebt und sich nichts zu Schulden hat kommen lassen. Weil er hin und wieder gesehen wird und neugierig ist. Das ist kein Grund!Laut Experten ändert der Wolf in diesem Alter sein Verhalten auch nicht mehr. Warum also, sollte er plötzlich aggressiv werden?
Der Wald ist sein Zuhause und wir sind hier Gast. Ich denke, er hat sich einfach an die vielen Menschen mittlerweile gewöhnt. 2003 zeigte schon Wolf Romeo aus Alaska, dass ein friedliches Zusammenleben möglich ist. Leider wurde er von Wilderern erschossen.
Die Zeit rund um die Abschussgenehmigung war sehr emotional. Die Ungerechtigkeit, dass die Gerichte dem statt gaben, hat mich einige Nerven gekostet. Ich weiß noch, wie alles begann.
„Die Zeit rund um die Abschussgenehmigung war sehr emotional“
Angefangen hat es mit der ersten Mahnwache in Bühl. Ich wusste ehrlich gesagt nicht, was mich erwartet, da ich bisher noch nie auf einer zuvor gewesen war. Aber die ganzen Menschen mit ihren Schildern, den tollen Sprüchen darauf und die Stimmung haben mich so sehr berührt, dass mir die Tränen kamen. Es war einfach unheimlich traurig. Ein unschuldiges Tier soll grundlos sterben. Gleichzeitig hat es mich auch wahnsinnig wütend gemacht.
Besonders schön fand ich die Mahnwache an der Kapelle mit den Windlichtern. Selbst die Kleinsten hatten Schilder auf dem Rücken mit der Aufschrift : "Wir sind hier, wir sind laut. Weil ihr uns den Grindi klaut".
Dann habe ich von der Gruppe Laufen für den Hornisgrindewolf erfahren und bin natürlich direkt beigetreten. Das Laufen war eine sehr anstrengende, aber auch schöne Zeit. So viele Menschen, die auch nur das Beste für Grindi wollen. Ich habe ganz tolle Menschen kennengelernt.
„In all der Zeit haben wir ihn nicht gesehen“
Wie viele andere war auch ich sehr oft unterwegs. In all der Zeit haben wir ihn nicht gesehen. Da frage ich mich schon: Stimmen die ganzen Sichtungen überhaupt? Und auch wenn er mal gesehen wurde, er kann sich da oben ja nicht in Luft auflösen. Wir Menschen nehmen immer mehr Platz ein.
Es hatte auf jeden Fall etwas magisches in seinem Gebiet unterwegs zu sein, weil man wusste, dass hier ein so ein tolles Tier lebt. Er gehört einfach hierher und macht den Nationalpark zu etwas Besonderem.
Ich kann mich aber auch noch gut erinnern, wie die Angst immer hochkam, sobald ein Schuss fiel. Wie sich alle Sorgen machten. Der Zusammenhalt im Großen und Ganzen war einfach klasse. Zu sehen, wie viele Menschen für diese unschuldige Seele kämpfen. Ich bekomme heute noch oft Gänsehaut, wenn ich daran zurückdenke.
Nachdem die Abschussgenehmigung letztendlich auslief und nicht verlängert wurde, war ich unheimlich erleichtert. Bis ich nun Anfang August von der Vergrämung erfahren habe. Furchtbar, dass man dieses arme Tier nicht einfach in Ruhe lassen kann.
Meiner Meinung nach wird das Thema unnötig künstlich in den Medien aufgebauscht. Es wird bewusst negativ und dramatisch über den Wolf gesprochen und geschrieben. Aber klar, das bringt natürlich Schlagzeilen.
„Ich halte davon wirklich gar nichts den Wolf zu vergrämen“
Ich halte davon wirklich gar nichts den Wolf zu vergrämen, wozu auch? Aber alles ist besser als ihn zu töten. Allerdings habe ich jetzt schon mehrfach von einer Hartvergrämung gelesen und wie das ablaufen soll. Da stehe ich in keinster Weise dahinter. Das ist pure Tierquälerei!
Ein Video, das ich gesehen habe, zeigt eindeutig, dass vom Wolf keine Gefahr ausgeht. Er hat natürliche Scheu gezeigt hat, sobald der Mensch näher kam.
Auch diese Behauptung, er nähere sich auf paar Meter sind einfach lächerlich. Die meisten können das doch garnicht genau einschätzen und ich bezweifle, dass sie ein Maßband in der Tasche hatten.
Oft wird ja besonders das Verhalten in der Ranzzeit kritisiert. Da muss ich sagen, mein Hund hätte seinen Trieb nicht so unter Kontrolle. Da hat sich unser Grindi wirklich sehr gut im Griff.
„Wenn es darauf ankommt, werde ich wieder da sein“
Aktuell werde ich die Füße noch still halten. Aber wenn es darauf ankommt, werde ich wieder da sein. So wie viele andere mit Sicherheit auch. Das sind wir diesem tollen Tier schuldig!
Hinweis zum Gastbeitrag
Dieser Text gibt ausschließlich Sandras persönliche Erfahrungen, Einschätzungen und Meinung wieder. Wir veröffentlichen den Beitrag in ihren eigenen Worten und machen uns die darin enthaltenen Aussagen nicht automatisch zu eigen. Der Beitrag stellt keine redaktionelle Position von Grindi-Wolf.de dar. Ziel der Veröffentlichung ist es, unterschiedliche persönliche Erfahrungen und Perspektiven rund um den Grindi-Wolf zu dokumentieren.
Grindi-Wolf: Erfahrungsberichte
Grindi-Wolf: Naturgenuss pur – meine Wanderung im Hornisgrindegebiet
Grindi-Wolf: Die Geschichte, die niemand erzählt – warum Dokumentation wichtig ist