
Hornisgrinde-Wolf: Waren Wolfshunde bei der Mahnwache in Bühl das richtige Symbol?
Bei der Mahnwache für den Hornisgrinde-Wolf am 18. September 2026 in Bühl kamen nach Medienberichten rund 40 Menschen zusammen. Auffällig in der Berichterstattung: zwei Wolfshunde wurden zu einem zentralen Bildmotiv.
Den Tieren ist daraus selbstverständlich kein Vorwurf zu machen. Ebenso gibt es keinen Beleg dafür, dass ihre Halter etwas mit früheren problematischen Begegnungen zwischen Hundehaltern und GW2672m zu tun hatten.
Trotzdem stellt sich eine berechtigte Frage:
War es angesichts der Geschichte von Grindi und Hunden kommunikativ sinnvoll, ausgerechnet Wolfshunde so sichtbar werden zu lassen?
Hornisgrinde-Wolf und Hunde: Genau hier liegt das Problem
Hunde sind im Fall Grindi kein Nebenthema. Seine wiederholten Annäherungen an Menschen standen häufig im Zusammenhang mit Hunden. Besonders während der Ranzzeit spielte sein Interesse an Hunden eine wichtige Rolle in der Diskussion um sein Verhalten und die mögliche Entnahme.
Gerade deshalb ist die Symbolik der Mahnwache bemerkenswert.
Bei nur rund 40 Teilnehmern wurden die beiden Wolfshunde zu einem auffälligen Bestandteil der medialen Darstellung. Damit standen plötzlich Wolfsschutz, Wolfshunde, Hunde und Hornisgrinde-Wolf gemeinsam im Bild.
Für Kritiker des Wolfsschutzes entsteht daraus eine einfache Angriffsfläche – auch ohne dass den Haltern irgendein Fehlverhalten vorgeworfen werden kann.
Schon bei der Mahnwache in Sand spielten Wolfshunde eine Rolle
Bei der Mahnwache in Sand im Februar war Christian Berge Gastredner. Ich kannte ihn damals nicht.
Mich irritierte sein Vortrag, weil er nach meiner Erinnerung ausführlich über Wolfshunde, Hybriden und darüber sprach, wie nahe sich Wolfshunde züchterisch wieder an den Wolf heranführen lassen.
Erst später recherchierte ich seine Person. Berge bezeichnet sich öffentlich als „Anwalt der Wölfe“; sein Leben mit Wolfshunden und seine frühere Zucht solcher Tiere wurden auch medial dokumentiert.
Das bedeutet nicht, dass zwischen Berge und den Wolfshundhaltern in Bühl eine Verbindung besteht. Es zeigt aber, wie schnell sich im öffentlichen Bild Wolfsschutz, Wolfshunde und Wildwölfe miteinander vermischen.
Wolf-Hund-Hybriden sind ein reales Artenschutzproblem
Diese Ebenen müssen sauber getrennt werden.
Wolf-Hund-Hybridisierung ist tatsächlich ein Thema des europäischen Wolfsmanagements. Wolf und Haushund können fertile Nachkommen erzeugen. Die DBBW bewertet das Eindringen von Hundegenen in wilde Wolfspopulationen aus Artenschutzsicht als unerwünscht. Auch in Deutschland wurden einzelne Hybridisierungsereignisse genetisch nachgewiesen.
Das bedeutet ausdrücklich nicht, dass die Wolfshunde in Bühl etwas mit Hybridisierung zu tun hatten.
Gerade deshalb ist die Unterscheidung wichtig: Wolfshund, Wolf-Hund-Hybrid und freilebender Wolf sind nicht dasselbe.
Hat die Bürgerinitiative ihren Gegnern selbst eine Angriffsfläche geliefert?
Das ist für mich die eigentliche Frage.
Petra Schell und Tanja Rall wollten mit der Mahnwache Aufmerksamkeit für den Schutz von Grindi schaffen. Gleichzeitig wurden ausgerechnet Wolfshunde zu einem auffälligen Element der medialen Darstellung.
Gegen Petra Schell wurde bereits öffentlich der Vorwurf der „Geltungssucht“ erhoben. Ob dieser persönliche Vorwurf berechtigt ist, lässt sich daraus nicht ableiten.
Aber man kann eine andere Frage stellen:
Hat die Inszenierung am Ende mehr Aufmerksamkeit bekommen als die eigentliche Botschaft?
Beim Hornisgrinde-Wolf ist diese Frage besonders relevant, weil der Kontakt zu Hunden selbst zu den zentralen Problemen des Falls gehört.
Nicht die Wolfshunde sind das Problem – sondern das erzeugte Bild
Die Wolfshunde können nichts für diese Diskussion. Auch gegen ihre Halter gibt es aufgrund ihrer Teilnahme an der Mahnwache keinen begründeten Vorwurf.
Die Kritik betrifft ausschließlich die Kommunikation.
Wer für einen Wolf kämpft, dessen Verhältnis zu Hunden seit Monaten Gegenstand der öffentlichen Diskussion ist, sollte sehr genau überlegen, welche Bilder er erzeugt.
Vielleicht war deshalb nicht die Anwesenheit der Wolfshunde das Problem. Problematisch war, dass sie am Ende zu einem der stärksten Bilder dieser Mahnwache wurden.
Hornisgrinde-Wolf: Mahnwache Bühl 18.09.2026 – Analyse von Donald Pennet / Grindi-Wolf
Hornisgrinde-Wolf: Vom „Laufen für Grindi“ zur neuen Bürgerinitiative