Hornisgrinde-Wolf: Vom „Laufen für Grindi“ zur neuen Bürgerinitiative

Rund um den Hornisgrinde-Wolf GW2672m haben sich 2026 unterschiedliche Gruppen und Strategien entwickelt. Im Frühjahr standen Mahnwachen und Aktionen rund um „Laufen für den Hornisgrindewolf“ im Mittelpunkt. Im September wurde mit „Der Hornisgrinde Wolf soll leben“ eine neue Bürgerinitiative gegründet.

Dabei gibt es eine bemerkenswerte personelle Kontinuität: Petra Schell wurde im März als Mitbegründerin von „Laufen für den Hornisgrindewolf“ genannt und gehört wenige Monate später zu den Gründerinnen der neuen Bürgerinitiative.

Warum für denselben Wolf eine weitere Organisationsstruktur entstand, lässt sich aus den öffentlich vorliegenden Quellen nicht abschließend beantworten. Die Entwicklung selbst lässt sich jedoch dokumentieren.

März 2026: „Laufen für den Hornisgrindewolf“

Am 1. März 2026 berichteten die Badischen Neuesten Nachrichten über die vierte Mahnwache für den Hornisgrinde-Wolf. Petra Schell wurde dabei als Mitbegründerin der Facebook-Gruppe „Laufen für den Hornisgrindewolf“ genannt. Die Berichterstattung dokumentierte eine emotional geprägte Protestphase rund um die Abschussgenehmigung für GW2672m.

Die Aktivitäten beschränkten sich nicht auf klassische Mahnwachen. Es fanden auch Läufe im Wolfsgebiet statt. Weitergehende Darstellungen über Nachtläufe, gesperrte Bereiche, Anzeigen und später eingestellte Verfahren übernehme ich hier nicht: Für diese vollständige Kette liegt mir bislang kein ausreichend belastbarer Nachweis vor.

Meine persönliche Erfahrung mit „Laufen für den Hornisgrindewolf“

Ich selbst trat damals der Facebook-Gruppe bei. Ich erwartete dort Informationen darüber, wo und wann man laufen konnte und wie man sich beteiligen konnte. Diese Orientierung bekam ich jedoch nicht.

Mein Eindruck war, dass die Grundidee gut war, die Gründer mit der Koordination jedoch zunehmend überfordert wirkten. Informationen, Aufgaben und Verantwortung blieben nach meiner Wahrnehmung bei einem kleinen Kreis von Akteuren, der die Kontrolle nicht abgeben wollte.

Ich veröffentlichte selbst einige Beiträge in der Gruppe und wurde später aus der Facebook-Gruppe blockiert.

Für mich trug diese Struktur zur Fragmentierung bei. Auch Erschöpfung schien eine Rolle zu spielen: Nachrichten, die gegen Ende dieser Phase nach außen drangen, wirkten auf mich zunehmend verzweifelt.

Das ist ausdrücklich meine persönliche Erfahrung. Ich hatte keinen Einblick in interne Entscheidungen und kann daraus keine Motive einzelner Personen ableiten.

15. September 2026: Eine neue Bürgerinitiative

Die BNN berichteten am 15. September 2026 über die neu gegründete Bürgerinitiative „Der Hornisgrinde Wolf soll leben“ von Petra Schell und Tanja Rall. Für den 18. September wurde eine Mahnwache in Bühl angekündigt.

Damit ergibt sich eine auffällige Zeitlinie: Im März wird Schell als Mitbegründerin von „Laufen für den Hornisgrindewolf“ genannt; im September gehört sie zu den Gründerinnen einer neuen Initiative für denselben Wolf.

Das beweist weder einen Austritt aus der früheren Gruppe noch eine Distanzierung von ihr. Es wirft aber die Frage auf, warum innerhalb weniger Monate eine weitere Organisationsstruktur entstand.

Kritik und Abgrenzung

Der BNN-Bericht vom 15. September dokumentiert zugleich Kritik aus dem eigenen Umfeld. Tanja Rall spricht nach der vorliegenden Wiedergabe über Anfeindungen aus den eigenen Reihen; dabei wird auch der Vorwurf der „Geltungssucht“ thematisiert, den die Betroffenen zurückweisen. Belegt ist damit der Vorwurf – nicht seine Berechtigung.

Im selben Bericht wird die Abgrenzung von der Naturschutzinitiative e.V. (NI) konkret. Petra Schell wirft der NI vor, bei einer früheren Wolfs-Mahnwache Flugblätter gegen Windkraft verteilt zu haben. Die neue BI wolle sich dagegen auf den Hornisgrinde-Wolf konzentrieren und eine Vermischung mit anderen politischen Themen vermeiden.

Dokumentiert ist Schells Vorwurf. Ob und unter welchen Umständen entsprechende Flyer tatsächlich verteilt wurden, ist durch diese Aussage allein nicht unabhängig bestätigt.

Auch bei der geplanten Vergrämung unterscheiden sich die Strategien. Die BI bezweifelt, dass sich bei einem fünfjährigen Wolf noch eine wesentliche Verhaltensänderung erreichen lasse. Die NI setzt dagegen auf ihre juristischen Verfahren und spricht sich dafür aus, professionelle Vergrämungsmaßnahmen zunächst abzuwarten.

Das Ziel kann dasselbe sein – den Abschuss des Wolfs zu verhindern. Der gewählte Weg ist es nicht.

17. September 2026: Die BI zieht eine weitere Grenze

Einen Tag vor der Mahnwache veröffentlichte die Bürgerinitiative auf Facebook eine Klarstellung:

„Unsere Bürgerinitiative ist parteipolitisch unabhängig. Wir lassen uns keinem politischen Lager zuordnen und stehen für unser Anliegen allein aus Überzeugung zum Schutz von GW2672m!“

Außerdem erklärte sie:

„Wer öffentlich für uns wirbt oder sich auf uns beruft, spricht nicht automatisch für die Bürgerinitiative.“

Der Beitrag beginnt mit „Aus gegebenem Anlass“, nennt aber weder eine Person noch den konkreten Anlass. Eine Zuordnung wäre daher Spekulation.

Für die Chronologie ist die Erklärung dennoch relevant: Nach der öffentlich gewordenen Abgrenzung von der NI definiert die neue BI nun selbst, wer für sie sprechen darf – und wer nicht automatisch dazu berechtigt ist.

18. September 2026: Mahnwache in Bühl

Damit ergibt sich eine klare Entwicklung:

März: „Laufen für den Hornisgrindewolf“, Petra Schell als Mitbegründerin.

15. September: neue Bürgerinitiative mit Schell und Tanja Rall; zugleich werden interne Kritik und die Abgrenzung von der NI öffentlich.

17. September: Die BI grenzt öffentlich ab, wer für sie sprechen kann.

18. September: Mahnwache der neuen Initiative in Bühl.

Diese Chronologie erklärt keine persönlichen Motive. Sie dokumentiert aber, dass sich rund um den Schutz eines einzelnen Wolfs innerhalb weniger Monate mehrere organisatorische Strukturen, unterschiedliche Strategien und ausdrückliche Abgrenzungen entwickelt haben.

Persönliche Anmerkung von Donald Pennet, Grindi-Wolf.de

Während der Entnahmephase im Frühjahr fand ich es traurig zu beobachten, dass verschiedene Gruppen, die im Kern dasselbe wollten – verhindern, dass Grindi zu Schaden kommt – nicht miteinander arbeiten konnten. Umso mehr bedauere ich, dass sich diese Fragmentierung offenbar fortsetzt.

Ich habe die neue Bürgerinitiative kontaktiert und angeboten, Grindi-Wolf.de als Plattform für Information und Dokumentation zu nutzen. Darauf habe ich bislang keine Antwort erhalten.

Mein Ziel mit Grindi-Wolf.de ist es, möglichst viel über den Hornisgrinde-Wolf zu dokumentieren: eigene Beobachtungen, Berichte anderer Menschen, behördliche Maßnahmen, unterschiedliche Positionen und die Aktivitäten der verschiedenen Gruppen. Deshalb dokumentiere ich auch die neue Bürgerinitiative und ihre Mahnwache.

Ich halte Teile des gegenwärtigen Vorgehens für nicht zielführend und stelle die Strategie infrage. Das darf aber nicht darüber entscheiden, ob sie dokumentiert wird.

Wenn verschiedene Gruppen dasselbe übergeordnete Ziel verfolgen, sollte aus meiner Sicht nicht entscheidend sein, wer die Kontrolle über das Thema besitzt, sondern welche Vorgehensweise dem Wolf tatsächlich hilft.

Grindi-Wolf.de soll deshalb keine Plattform einer einzelnen Gruppe sein, sondern möglichst nachvollziehbar dokumentieren, was rund um GW2672m geschieht.

Die offene Frage bleibt:

Warum entstehen für den Schutz eines einzelnen Wolfs immer neue organisatorische Grenzen – und helfen sie Grindi oder führen sie zu weiterer Fragmentierung?

Hornisgrinde-Wolf: Eine neue Bürgerinitiative trifft auf alte Konflikte – wie fragmentiert ist der Wolfschutz?

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