Hornisgrinde-Wolf: Mahnwache Bühl 18.09.2026 – Analyse von Donald Pennet / Grindi-Wolf

Am 18. September 2026 fand auf dem Kirchplatz in Bühl eine Mahnwache für den Hornisgrinde-Wolf statt. Organisiert wurde sie von der neu gegründeten Bürgerinitiative „Der Hornisgrinde-Wolf soll leben“ um Petra Schell und Tanja Rall.

Die Resonanz blieb überschaubar. Nach Angaben der Badischen Neuesten Nachrichten (BNN) kamen rund 40 Menschen. Bei den Mahnwachen während der akuten Abschussdebatte im Februar waren es noch etwa 200 bis 250 Teilnehmer.

Auffällig war auch die Präsenz von Hunden. Die BNN stellte in ihrem Aufmacherfoto zwei Wolfshunde prominent heraus und schrieb in der Bildunterschrift:

„Wolfshund Maluca beäugt kritisch den zweiten Wolfshund.“

Gerade beim Hornisgrinde-Wolf ist dies bemerkenswert, weil Begegnungen zwischen Grindi, Menschen und Hunden seit Monaten Bestandteil der Diskussion um sein Verhalten sind.

Warum kamen zur Mahnwache für den Hornisgrinde-Wolf nur rund 40 Menschen?

40 statt 200 bis 250 Teilnehmer sind ein deutlicher Unterschied. Die Zahl erklärt aber nicht, warum weniger Menschen kamen.

Dafür fehlt bislang eine belastbare Untersuchung. Auch ein allgemeiner Stimmungsumschwung oder eine „Wolfsmüdigkeit“ in Bühl lässt sich daraus nicht ableiten.

Ein wesentlicher Unterschied zum Februar ist jedoch dokumentiert: Damals bestand eine konkrete Abschussgenehmigung. Im September 2026 gibt es keine unmittelbar bevorstehende Entnahme. Stattdessen stehen weitere Vergrämungsmaßnahmen im Raum.

Damit fehlte am 18. September zumindest die akute Situation, die die Mahnwachen im Februar geprägt hatte.

Donald Pennet: War der 18. September der richtige Zeitpunkt?

Wenn ich die Suchentwicklung rund um Grindi beobachte, war nach dem Interview mit Ministerin Marion Gentges ein massiver, aber kurzer Ausschlag des öffentlichen Interesses erkennbar. Danach ebbte die Aufmerksamkeit schnell wieder ab.

Für mich stellt sich deshalb weniger die Frage, ob 40 Teilnehmer viel oder wenig sind.

Die wichtigere Frage lautet:

War jetzt überhaupt der richtige Zeitpunkt für eine Mahnwache?

Aktuell gibt es keine neue Abschussgenehmigung. Nach unseren Beobachtungen bei Grindi-Wolf haben wir bislang auch keine laufende Vergrämungsmaßnahme feststellen können.

Eine Mahnwache ist ein Instrument der Mobilisierung. Dieses Instrument kann man aber nicht beliebig oft mit derselben Wirkung einsetzen.

Meine Einschätzung ist deshalb: Taktisch wäre eine starke öffentliche Mobilisierung wahrscheinlich wirkungsvoller, wenn eine konkrete Entscheidung über eine erneute Entnahme tatsächlich auf dem Tisch liegt.

Warum gibt es neben „Laufen für den Hornisgrindewolf“ eine neue Bürgerinitiative?

Auch die organisatorische Entwicklung wirft Fragen auf.

Petra Schell war Mitbegründerin der Facebook-Gruppe „Laufen für den Hornisgrindewolf“. Nun gehört sie gemeinsam mit Tanja Rall zu den Gründerinnen der neuen Bürgerinitiative „Der Hornisgrinde-Wolf soll leben“, die wiederum eine eigene Facebook-Präsenz aufgebaut hat.

Warum neben der bestehenden Struktur eine zweite notwendig wurde, ist für Außenstehende nicht ohne Weiteres nachvollziehbar.

Gleichzeitig appellierten die Initiatorinnen bei der Mahnwache an andere Gruppen, die Kräfte zu bündeln.

Genau hier entsteht eine interessante Spannung zwischen Abgrenzung und Zusammenarbeit.

„Unsere Kräfte bündeln“ – aber mit wem?

Die Abgrenzung gegenüber der Naturschutzinitiative e.V. (NI) ist inzwischen dokumentiert.

In der BNN-Berichterstattung vom 15. September 2026 wurde als ein Grund genannt, dass Mitglieder der NI bei einer früheren Mahnwache Flyer gegen Windkraft verteilt hätten.

Die Position der BI wird dort so wiedergegeben:

„Das würde zu Interessenskonflikten führen.“

Petra Schell erklärte außerdem den unterschiedlichen Fokus:

„Für sie [die NI] ist der Wolfsschutz ein Aspekt unter vielen, uns geht es ausschließlich um den Hornisgrinde-Wolf.“

Das ist eine nachvollziehbare organisatorische Position. Gleichzeitig stellt sich dann aber die Frage, welche Organisationen mit dem öffentlichen Aufruf gemeint sind, die Kräfte zu bündeln.

Die BI kann sich bewusst von der NI abgrenzen und gleichzeitig mit anderen Akteuren zusammenarbeiten wollen. Ein Widerspruch ist das nicht zwingend. Bislang bleibt jedoch unklar, wie diese Zusammenarbeit konkret aussehen soll.

Der Vorwurf der „Geltungssucht“

Auch der gegen Petra Schell erhobene Vorwurf der „Geltungssucht“ ist inzwischen Bestandteil der öffentlichen Debatte.

Dabei muss sauber getrennt werden:

Der Vorwurf ist dokumentiert. Seine Berechtigung ist es nicht.

Aus Medienpräsenz, der Gründung einer neuen Initiative oder einer Mahnwache lässt sich keine persönliche Motivation ableiten.

Feststellen lässt sich lediglich, dass eine Veranstaltung mit rund 40 Teilnehmern eine vergleichsweise umfangreiche lokale Berichterstattung erhalten hat.

Mahnwachen funktionieren über den richtigen Zeitpunkt

Für mich liegt hier der entscheidende Punkt.

Es geht nicht darum, die Mahnwache oder die Menschen, die daran teilgenommen haben, abzuwerten. Ebenso wenig lässt sich aus 40 Teilnehmern ableiten, dass die Unterstützung für Grindi verschwunden ist.

Aber öffentliche Aufmerksamkeit ist begrenzt.

Wer immer wieder mobilisiert, obwohl keine unmittelbare Entscheidung ansteht, riskiert, Aufmerksamkeit und guten Willen zu verbrauchen, bevor sie wirklich gebraucht werden.

Im Februar war die Situation eindeutig: Eine Entnahme war konkret möglich.

Am 18. September war sie das nicht.

Deshalb bleibt für mich nach dieser Mahnwache vor allem eine strategische Frage:Hornisgrinde-Wolf: Eine neue Bürgerinitiative trifft auf alte Konflikte – wie fragmentiert ist der Wolfschutz?

Sollten wir unsere Kräfte jetzt verbrauchen – oder sie für den Moment bündeln, an dem Grindi tatsächlich wieder unmittelbar von einer Entnahme bedroht ist?

Hornisgrinde-Wolf: Was Facebook-Gruppen und Bürgerinitiativen leisten

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