Hornisgrinde-Wolf: Bettinas Erfahrungsbericht über Koexistenz und eine Wanderung ohne Wolfssichtung

Am 9. September 2026 waren Bettina, Susanne, Sandra und Donald gemeinsam im Gebiet zwischen Untersmatt, Hochkopf, Pfriemackerkopf, Hundseck und Bettelmannskopf unterwegs. Es war weitgehend dieselbe Route wie bei der vorherigen Begehung, diesmal aus der entgegengesetzten Richtung.

Der Hornisgrinde-Wolf wurde während der gesamten Wanderung nicht gesehen. Auch Bettina hat den Wolf bei ihren bisherigen Wanderungen in seinem Lebensraum noch kein einziges Mal gesehen. Gleichzeitig standen auf der Hochkopf-Grinde erneut Schafe und Ziegen hinter einem Elektrozaun. Für Bettina wird diese Beobachtung zu einem persönlichen Bild für Koexistenz zwischen Mensch, Weidetieren, Natur und Wolf.

Der folgende Text ist Bettinas persönlicher Erfahrungsbericht. Er wird inhaltlich unverändert wiedergegeben.

Hornisgrinde-Wolf: Koexistenz, Weidetiere und eine weitere Nicht-Sichtung

„Auf dem Hochkopf / Pfriemackerkopf angekommen grasten erneut die Schafe und Ziegen, dieses Mal auf der anderen Seite des Weges.“

Gestern waren wir zu Viert unterwegs , im Grunde genommen sind wir durch dasselbe Gebiet gelaufen wie letzte Woche, allerdings war der Startpunkt dieses Mal Untersmatt, dann zum Hochkopf, Pfriemackerkopf, Hundseck, über den Bettelmannskopf zurück nach Untersmatt.

Für meinen Körper war der Anstieg gleich zu Beginn des Weges eine kleine Herausforderung und erinnerte mich an frühere Wanderungen mit unseren Kindern, bei denen ich vom Kreislauf her ähnlich reagierte. Wenn ich mich aber „ eingelaufen“ hatte, war Alles gut und so war es gestern dann auch.

Im Prinzip die gleiche Route, die gleiche Landschaft, aber aus einer anderen Richtung kommend verändert sich der Blickwinkel. Spannend, es zeigte sich, dass meine Schwäche bezüglich Orientierung im Raum wieder voll zum Tragen kam. Deshalb ist es für mich wichtig, Wege öfters zu gehen, um die Sicherheit zu bekommen, mich nicht zu verirren.

So war ich dieses Mal viel mit mir selbst beschäftigt, was dazu führte, dass mir viele Eindrücke erst am Abend ins Bewusstsein kamen.

Wir trafen zwei junge Menschen, die den Westweg zusammen begehen und am Wegesrand Pause machten. Susanne sprach sie an und wir kamen ins Gespräch, hörten, dass die Rucksäcke schwer zu tragen sind und dass sie in einer kleinen Gruppe mit unterschiedlichem Tempo unterwegs sind, aber sich immer wieder finden würden. Ich erinnerte mich an die Reise unseres Sohnes, der auf dem Jakobsweg nach Santiago di Campostella unterwegs war und uns per Post einen Teil seines Gepäcks schickte, weil das Gewicht seines Rucksacks zu schwer war. Beim Schreiben dieser Zeilen wird mir bewusst, dass diese Begegnung Etwas in mir ausgelöst hat, eine Erinnerung hat mich auf dem gemeinsamen Gehen des Weges “ bewegt“ und mir ein Erinnerungslächeln auf die Lippen gezaubert.

Auf dem Hochkopf / Pfriemackerkopf angekommen grasten erneut die Schafe und Ziegen, dieses Mal auf der anderen Seite des Weges. Sie hatten gute Arbeit geleistet und ihre Aufgabe zur Landschaftspflege der Grinde voll erfüllt.

„Wie wunderbar zu sehen, dass Mensch, Tier und die Natur eine funktionierende und sich gegenseitig nährende Koexistenz eingehen.“

Wie wunderbar zu sehen, dass Mensch, Tier und die Natur eine funktionierende und sich gegenseitig nährende Koexistenz eingehen. Und dass es gerade an diesem Ort, diesem offenen Gebiet des Hochplateaus und Wolfsgebiet möglich ist, dass Schafe und Ziegen Landschaftspflege machen, ohne dass Risse Geschehen. Zumindest gehe ich davon aus, dass dem so ist, sonst würde das sicher auf irgendeine Art und Weise kommuniziert werden. Für mich spricht dies für den Hornisgrinde Wolf, funktionierende Koexistenz und darüber freue ich mich!

Die Tiere grasten friedlich, sie waren in wohlgenährtem Zustand mit glänzendem Fell und beobachteten die vorbei gehenden Menschen ganz ruhig , aber aufmerksam. Ein Elektrozaun sicherte sie in dem zu beweideten Gebiet der Grinde.

Erst abends wurde mir bewusst, dass die Halter dieser Herde für mich Kahus sind. Ein aus dem Hawaianischen stammender Begriff, bedeutet in Kurzfassung, dass ein Mensch der Hüter des ihm anvertrauten Tieres ist.

Und mir wurde in diesem Moment bewusst, dass wir Alle Kahus sein können, zu jeder Zeit, an jedem Ort! Wenn wir einen Wald betreten und im Bewusstsein gehen, dass dieser Wald Heimat von so vielen verschiedenen Wildtieren ist, können wir Kahu sein, indem wir diesen Weg achtsam gehen. Auch für Mutter Erde, die Natur können wir Kahu sein, denn sie ist es auch für uns, immer! Und das gilt es zu achten, wir haben nur einen Planeten!

„Freue mich, dass ich den Hornisgrinde Wolf wieder nicht zu Gesicht bekommen habe, noch kein einziges Mal während meiner Wanderungen in seiner Heimat.“

Ich bin im Nachhinein sehr beeindruckt von dem gestrigen Tag. Freue mich, dass ich den Hornisgrinde Wolf wieder nicht zu Gesicht bekommen habe, noch kein einziges Mal während meiner Wanderungen in seiner Heimat, dem Nationalpark Nordschwarzwald und den angrenzenden Gebieten! Das spricht für ihn!

Ich wünsche mir, Kahu für ihn zu sein, mit meinen Gedanken, die ich mit Euch teile, mit meinem achtsamen Gehen in seiner Heimat, vielleicht einen Impuls mit diesem Text geben zu können……. und bin mir gleichzeitig bewusst, dass der Hornisgrinde Wolf eher Kahu für uns ist. Denn mit seiner Existenz und Präsenz im Nationalpark Nordschwarzwald trägt er eine große Message für uns als Menschheitsfamilie mit im Gepäck!

Das kann nur Jeder Einzelne für sich selbst herausfinden und es spielt keine Rolle, in welcher Position wir „ unterwegs“ sind, egal ob wir Touristen, Wanderer, Anwohner, weisungsgebundene Mitarbeiter eines Nationalparks oder Politiker der Landes-bzw. Bundesregierung sind.

Letztendlich sind wir Alle einfach Mensch! Machen wir was daraus, Jeder für sich!

Anmerkung von Grindi-Wolf.de

Dieser Beitrag gibt die persönlichen Beobachtungen, Gedanken und Schlussfolgerungen von Bettina wieder. Sie entsprechen nicht zwingend der Position von Grindi-Wolf.de. Wir veröffentlichen persönliche Erfahrungsberichte als Teil der Dokumentation unterschiedlicher Wahrnehmungen und Beobachtungen im Gebiet des Hornisgrinde-Wolfs.

Hornisgrinde-Wolf: Begehung zwischen Untersmatt, Hochkopf und Bettelmannskopf

Grindi-Wolf: Sandra über Vergrämung, Mahnwachen und ihre Erfahrungen

Grindi-Wolf: Roland A. über die Vergrämung von GW2672

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