
Hornisgrinde-Wolf am Hohen Ochsenkopf: Beobachtungen aus der Entnahmephase
Zwischen dem 25. Februar und 10. März 2026, dem letzten Tag der damaligen Entnahmephase des Hornisgrinde-Wolfs, war ich mehrfach zwischen Mehliskopf, Hundseck und Hohem Ochsenkopf unterwegs.
Damals kannte ich das Gelände kaum. Heute, nach zahlreichen Wanderungen über Hundseck, Mehliskopf, Nordbeckerweg, Südbeckerweg und Hohen Ochsenkopf, lässt sich die Landschaft wesentlich besser einordnen.
Damit stellt sich rückblickend eine Frage:
Warum schien der Hohe Ochsenkopf während der Entnahmephase von Grindi wiederholt von Interesse zu sein?
Ich kann nicht beweisen, dass alle Fahrzeuge, Lichter und Personen, die wir damals beobachteten, mit der Entnahme des Hornisgrinde-Wolfs zusammenhingen. Dokumentieren lässt sich aber eine bemerkenswerte zeitliche Abfolge.
25. Februar 2026 – erste Lichter am Hohen Ochsenkopf
Am 25. Februar gegen 6 Uhr morgens betrat ich am Parkplatz des Skilifts Mehliskopf den Wald.
Nach ungefähr einer halben Stunde hörte ich unterhalb von mir einen Dieselmotor. Zunächst dachte ich mir wenig dabei, da man in diesem Bereich die Straße hören kann.
Etwa zehn Minuten später sah ich vor mir rote Rücklichter, die den Berg hinauffuhren.
Damals war ich nicht ortskundig. Im Dunkeln konnte ich deshalb nur in Richtung der Lichter gehen. Der erste Anstieg brachte mich auf den Sattel zwischen Mehliskopf und Ochsenkopf. Von dort stieg ich auf der Südseite des Ochsenkopfs ab und erreichte schließlich einen gesperrten Weg, der weiter in Richtung Hoher Ochsenkopf führte.
Dort wartete ich ungefähr eine Stunde auf die Morgendämmerung.
Ich beobachtete Kernbeißer, Kreuzschnäbel und ein Auerhuhn. Von dieser Position aus war auch die Straße hinunter nach Hundsbach nicht mehr zu hören.
Als ich gerade gehen wollte, wurde erneut ein Dieselmotor gestartet. Ein Fahrzeug fuhr davon.
Ich kehrte anschließend über den Mehliskopf nach Sand zurück.
7. März 2026 – wieder Lichter am Ochsenkopf
Am Samstag, 7. März, nahm ich erneut diese Route.
Wieder sah ich Lichter in Richtung Ochsenkopf fahren.
Dieses Mal ging ich auf der Nordseite weiter. Der Weg war lang; ungefähr eine Stunde später erreichte ich die Grinde des Hohen Ochsenkopfs.
Dort war niemand zu sehen.
Weiter unten befindet sich jedoch ein größerer Bereich, an dem Fahrzeuge wenden können. Dort waren frische Fahrzeugspuren und eine ölige Spur beziehungsweise ein Ölfleck zu sehen.
Wer dort gewesen war, konnte ich nicht feststellen.
8. März 2026 – keine Lichter
Am Sonntag, 8. März, ging ich dieselbe Route erneut.
Dieses Mal sah ich keine Lichter.
Auch diese Nullbeobachtung gehört zur Chronologie. Nicht jede Begehung zeigte dasselbe Muster.
9. März 2026 – mit Bettina und Susanne
Am Montag, 9. März, war ich gemeinsam mit Bettina und Susanne unterwegs.
Wieder sahen wir Lichter den Berg hinauffahren.
Wir gingen in Richtung Hoher Ochsenkopf. Als wir den entsprechenden Bereich erreichten, war niemand mehr dort. Am Wendebereich waren jedoch erneut frische Fahrzeugspuren zu erkennen.
Damit waren die Lichter diesmal nicht nur meine eigene Beobachtung.
10. März 2026 – letzter Tag der Entnahmephase
Am Dienstag, 10. März, dem letzten Tag der damaligen Entnahmephase, gingen wir erneut in dieses Gebiet.
Wir befanden uns auf einem Weg parallel zum Nordbeckerweg. Oberhalb von uns hörten wir Hunde bellen. Wir hörten sie mehrfach.
Als wir später zum Nordbeckerweg hinaufgingen, hörten wir die Hunde unterhalb unserer Position.
Entlang des Weges beobachteten wir außerdem das Ausbringen einer Substanz, die wir damals als Pheromone beziehungsweise Lockstoff einordneten.
Was genau verwendet wurde und welchem Zweck es diente, können wir aus unserer Beobachtung allein nicht bestimmen.
Drei Begegnungen mit Grindi – aber keine am Ochsenkopf
Ein Detail ist für die Einordnung besonders wichtig.
Zwischen dem 25. Februar und 10. März hatte ich drei Begegnungen mit Grindi, dem Hornisgrinde-Wolf.
Keine davon fand am Hohen Ochsenkopf statt.
Vielleicht war der Ochsenkopf deshalb nicht interessant, weil man wusste, dass sich Grindi dort aufhielt.
Vielleicht war vielmehr die Topographie interessant.
Hoher Ochsenkopf: Kernzone zwischen Hundseck, Herrenwies und Schwarzenbachtalsperre
Der Hohe Ochsenkopf bei Forbach erreicht 1.054,5 Meter und gehört heute zum Nationalpark Schwarzwald. Südlich liegt das Hundsbachtal, nördlich das Schwarzenbachtal mit Herrenwies, nordöstlich die Schwarzenbachtalsperre.
Die Bergkuppe war früher eine weitgehend offene, beweidete Grinde. Nach Aufgabe der Nutzung eroberte der Wald diese Fläche zurück. Bereits 1970 wurde ein Teil als Bannwald geschützt; später folgten weitere Schutzgebiete.
Besonders wichtig für unsere Beobachtungen ist die saisonale Wegeöffnung:
Der Hohe Ochsenkopf darf zum Schutz des Auerwilds nur vom 15. Juli bis 1. November auf den ausgewiesenen Wegen und Pfaden begangen werden.
Damit konnten wir während der Entnahmephase im Februar und März viele Bereiche, die heute zugänglich sind, nicht legal erkunden.
Erst seit dem 15. Juli können wir Nordbeckerweg, Südbeckerweg und die zugänglichen Bereiche des Ochsenkopfs genauer kennenlernen.
Warum könnte der Ochsenkopf interessant gewesen sein?
Heute fällt mir vor allem die Struktur der Landschaft auf.
Von Sand, Hundseck und Mehliskopf ist der Hohe Ochsenkopf zu Fuß nur mit erheblichem Zeitaufwand erreichbar.
Von Herrenwies und der Schwarzenbachtalsperre führen dagegen mehrere Forstwege weit in Richtung des Ochsenkopf-Massivs. Man kann nicht direkt auf das Plateau fahren, kommt ihm mit einem Fahrzeug aber wesentlich näher.
Hinzu kommt die Topographie.
Zwischen Hundseck, Mehliskopf, Hundsbach, Herrenwies und Schwarzenbachtal wechseln steile Hänge, dichter Wald, Felsen und offenere Grindenflächen.
Teilweise wirkt diese Landschaft wie ein Trichter.
Tiere, die sich zwischen diesen Landschaftsräumen bewegen, könnten dadurch an bestimmten Stellen auf engeren Übergängen zusammengeführt werden. Ob Grindi tatsächlich einen solchen Korridor am Hohen Ochsenkopf benutzt, wissen wir nicht.
Aber für einen Beobachter wäre die Kombination aus Engstellen und anschließend offenen Grindenflächen grundsätzlich interessant.
September 2026 – zurück am Hohen Ochsenkopf

Genau deshalb sind unsere Begehungen im September wichtig.
Was im Februar und März aufgrund der Sperrung nur von außen beobachtet werden konnte, können wir jetzt auf den geöffneten Wegen selbst untersuchen.
Am Südbeckerweg wechseln relativ lichter Wald, dichter Bewuchs, Felsen und steile Passagen. Am Teufelskamin wird das Gelände besonders steil, bevor es sich wieder zu größeren offenen Bereichen entwickelt.
Diese Landschaft haben wir am 24. September 2026 ausführlich dokumentiert:
Hornisgrinde-Wolf am 24.09.2026: Über den Südbeckerweg zum Hohen Ochsenkopf
Eine erste Analyse des gesamten Gebiets zwischen Nationalpark, Ochsenkopf und den angrenzenden Wirtschaftswäldern findet sich hier:
Hornisgrinde-Wolf am Ochsenkopf: Nationalpark und Landschaft
Auch Susannes Bericht über unsere gemeinsame Wanderung zeigt eine andere wichtige Seite dieser Dokumentation: stundenlang im Gebiet des Hornisgrinde-Wolfs unterwegs zu sein, ohne Grindi zu sehen.
Hornisgrinde-Wolf am Südbeckerweg: Drei Stunden im Wolfsgebiet ohne Begegnung mit Grindi
War der Hohe Ochsenkopf Teil von Grindis Route?
Die Beobachtungen vom 25. Februar, 7., 8., 9. und 10. März 2026 bekommen durch unsere heutigen Begehungen eine neue Bedeutung.
Wir sahen wiederholt Lichter in Richtung Ochsenkopf. Wir hörten Dieselmotoren und Hunde. Wir fanden frische Fahrzeugspuren. Am letzten Tag der Entnahmephase beobachteten wir das Ausbringen einer Substanz, die wir als Lockstoff beziehungsweise Pheromone einordneten.
Gleichzeitig begegnete ich Grindi während dieses Zeitraums dreimal – aber nie am Hohen Ochsenkopf.
Das lässt die entscheidende Frage offen:
Nutzt der Hornisgrinde-Wolf den Hohen Ochsenkopf tatsächlich als Verbindung zwischen Hundseck, Mehliskopf, Herrenwies und den angrenzenden Waldgebieten?
Oder war der Ochsenkopf während der Entnahmephase vor allem ein topographisch vielversprechender Ort, an dem man hoffte, Grindi beobachten zu können?
Seit dem 15. Juli können wir dieses Gebiet auf den geöffneten Wegen erstmals systematisch kennenlernen.
Deshalb werden wir den Hohen Ochsenkopf, Nordbeckerweg, Südbeckerweg und die Übergänge Richtung Hundseck, Mehliskopf und Herrenwies weiter dokumentieren.
Nicht um Grindi zu verfolgen, sondern um die Landschaft zu verstehen, in der sich der Hornisgrinde-Wolf bewegt.