Hornisgrinde-Wolf GW2672m: Was die zwei Wolfsabschüsse in Niedersachsen für Grindi bedeuten

Bad Herrenalb / Nordschwarzwald, 2. Oktober 2026 – Der Hornisgrinde-Wolf GW2672m lebt weiterhin in seinem Territorium im Nordschwarzwald. Anfang 2026 durfte er bereits getötet werden. Die Ausnahmegenehmigung lief am 10. März aus, ohne dass das beauftragte Entnahmeteam den Wolf erlegte.

Eine Nachricht aus Niedersachsen wirft nun eine neue Frage für den Hornisgrinde-Wolf auf: Wie transparent wäre eine erneute Entnahme von GW2672m tatsächlich?

Zwei Wölfe getötet – doch selbst die Landesjägerschaft wusste nichts

Am 2. Oktober 2026 bestätigte das niedersächsische Landwirtschaftsministerium gegenüber dem NDR, dass im Rahmen sogenannter Schnellabschussverfahren zwei Wölfe getötet wurden.

Wo die Tiere getötet wurden und wann genau die Abschüsse stattfanden, teilte das Ministerium nicht mit. Als Grund wurden die „schutzbedürftigen Interessen Dritter“ genannt.

Bemerkenswert ist ein weiterer Punkt: Selbst die Landesjägerschaft Niedersachsen wusste nach eigenen Angaben nichts von den beiden Abschüssen.

Ihr Wolfsbeauftragter erklärte gegenüber dem NDR, dass Land und Landesjägerschaft bei Wolfsabschüssen eigentlich zusammenarbeiteten und Partner seien. Wer die beiden Wölfe tatsächlich getötet hat, war zum Zeitpunkt der Berichterstattung öffentlich nicht bekannt.

Das ist mehr als eine Randnotiz.

Es zeigt, wie klein der Kreis der Menschen sein kann, der über eine laufende Wolfsentnahme und deren erfolgreichen Vollzug informiert ist.

Was bedeutet das für den Hornisgrinde-Wolf?

GW2672m ist kein unbekannter Wolf. Sein Territorium „Hornisgrinde“ im westlichen Nordschwarzwald ist seit 2024 offiziell bestätigt. Die FVA ist mit seinem Monitoring beauftragt.

Im Winter 2025/26 näherte sich der Rüde wiederholt Menschen mit Hunden. Das Umweltministerium Baden-Württemberg erteilte daraufhin eine artenschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung zur Tötung von GW2672m.

Mit der Durchführung wurde ausdrücklich ein spezielles Entnahmeteam beauftragt.

Naturschutzverbände hatten kein gesetzliches Beteiligungsrecht am Verfahren. Sie sowie die Mitglieder der AG Luchs und Wolf wurden allerdings über die Entscheidung informiert.

Am 10. März 2026 ließ Baden-Württemberg die Genehmigung auslaufen. GW2672m hatte überlebt. Gleichzeitig kündigte das Umweltministerium an, das Monitoring in seinem Revier auszubauen und zu intensivieren.

Damit stellt sich nach den Ereignissen in Niedersachsen eine Frage, die bisher kaum gestellt wurde.

Könnte Grindi bereits tot sein, bevor die Öffentlichkeit davon erfährt?

Es gibt derzeit keine neue Abschussgenehmigung für GW2672m, die aus den hier ausgewerteten offiziellen Informationen hervorgeht. Ebenso gibt es keinen Hinweis darauf, dass aktuell eine geheime Entnahme des Hornisgrinde-Wolfes vorbereitet wird.

Darum geht es nicht.

Die zwei getöteten Wölfe in Niedersachsen zeigen vielmehr ein grundsätzliches Problem der Transparenz: Eine staatlich legitimierte Wolfsentnahme kann vollzogen werden, während Ort und genauer Zeitpunkt zunächst nicht öffentlich genannt werden und selbst ein zentraler Jagdverband nach eigener Aussage keine Kenntnis vom erfolgten Abschuss besitzt.

Für den Nordschwarzwald führt das zu einer konkreten Frage:

Wenn Baden-Württemberg GW2672m erneut zur Entnahme freigeben würde und ein Entnahmeteam den Hornisgrinde-Wolf tatsächlich tötet – wer erfährt davon und wann?

Erfährt die Öffentlichkeit es unmittelbar?

Wird die Nationalparkverwaltung Schwarzwald sofort informiert?

Wann wird die FVA informiert?

Wann erfahren Naturschutzverbände davon?

Und könnte zwischen der Tötung des Wolfes und der öffentlichen Bekanntgabe ein Zeitraum liegen, in dem Menschen im Nordschwarzwald weiterhin nach GW2672m suchen, Sichtungen melden und am Wolfsmonitoring teilnehmen?

Wolfsmonitoring braucht Vertrauen

Gerade beim Hornisgrinde-Wolf ist diese Frage relevant.

Seine Geschichte ist eng mit Monitoring verbunden. Sichtungen, genetische Nachweise und dokumentierte Begegnungen bildeten schließlich auch die Grundlage für die Entscheidung des Umweltministeriums im Winter 2026. Das Land will dieses Monitoring nun weiter intensivieren.

Monitoring ist aber ein Informationssystem in beide Richtungen.

Bürgerinnen und Bürger liefern Beobachtungen. Behörden sammeln, prüfen und bewerten diese Informationen. Daraus entstehen Entscheidungen.

Wenn die Bevölkerung Teil dieses Systems sein soll, stellt sich deshalb auch die Gegenfrage:

Welche Informationen erhält die Bevölkerung zurück, wenn eine so weitreichende Entscheidung wie die Tötung eines territorialen Wolfes tatsächlich vollzogen wird?

Niedersachsen macht die Frage für die Hornisgrinde konkret

Niedersachsen und Baden-Württemberg arbeiten mit unterschiedlichen Verfahren. Die beiden Fälle dürfen deshalb rechtlich nicht gleichgesetzt werden.

Aber Niedersachsen hat am 2. Oktober 2026 etwas sichtbar gemacht, das auch für den Nordschwarzwald relevant ist:

Zwischen einer staatlich legitimierten Wolfsentnahme und der öffentlichen Information darüber kann ein geschützter operativer Raum liegen.

Beim Hornisgrinde-Wolf GW2672m sollten wir deshalb nicht erst dann über Transparenz sprechen, wenn möglicherweise erneut eine Ausnahmegenehmigung erteilt wird.

Die Fragen können bereits heute gestellt werden:

Wer würde von einer erneuten Entnahme von GW2672m erfahren? Wer würde wissen, dass sie erfolgreich war? Und wie schnell würden die Menschen im Nordschwarzwald erfahren, dass der Hornisgrinde-Wolf nicht mehr lebt?

Donald Pennet · Grindi-Wolf · Bad Herrenalb · Nordschwarzwald · 2. Oktober 2026


Weitere Fälle zur Wolfsentnahme

Die Frage nach Transparenz und Identität stellt sich auch andernorts. Im Oberallgäu darf ein Wolf erlegt werden, ohne dass vor dem Abschuss zwingend feststeht, ob es sich um GW999m oder ein anderes Tier handelt. GW999m oder ein anderer Wolf – wer darf im Oberallgäu erschossen werden?

Im Lahn-Dill-Kreis in Hessen zeigt der Fall des Greifensteiner Rudels eine andere Dimension: Wie können Bürger Wölfe beobachten und dokumentieren, während gleichzeitig eine Jagd auf Tiere des Rudels möglich ist? Greifensteiner Wölfe beobachten, ohne die Jagd zu stören



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