Hornisgrinde-Wolf an der Badener Höhe: vier Stunden im Wolfsgebiet ohne Sichtung

Am 20. September 2026 waren Donald Pennet von Grindi-Wolf und Susanne rund vier Stunden zwischen Sand, Plättig und Badener Höhe unterwegs. Eine Sichtung des Hornisgrinde-Wolfs GW2672m gab es nicht. Die wiederholte Begehung derselben Route zeigt, wie unterschiedlich stark die Wege genutzt werden und wie ruhig und abgelegen große Teile des Lebensraums im Nordschwarzwald wirken.

Dieselbe Route – aber der Wald verändert sich

Am Sonntag bin ich gemeinsam mit Susanne weitgehend dieselbe Strecke gelaufen, die ich bereits am Freitag gegangen war.

Diese Wiederholungen sind für meine Beobachtungen wichtig. Wer ein Gebiet innerhalb weniger Tage erneut begeht, erkennt Unterschiede, die bei einer einzelnen Wanderung leicht verloren gehen: Abzweigungen, Forstwege, Lichtungen, Vegetation und auch die unterschiedliche Nutzung durch Menschen.

Am frühen Morgen liefen wir zunächst parallel zur Straße. Auffällig waren mehrere Wege und Forstspuren in Richtung Vorfeldkopf. An verschiedenen Stellen wiesen Schilder darauf hin, diese Wege nicht zum Wandern zu nutzen. Wir blieben deshalb auf den freigegebenen Wegen.

Je häufiger ich dieselben Strecken gehe, desto besser verstehe ich die Struktur dieses Gebiets.

Zwischen Plättig und Badener Höhe

Der kleine Weg zwischen Plättig und dem Beginn des Aufstiegs zur Badener Höhe gehört für mich inzwischen zu den schönsten Strecken in diesem Teil des Nordschwarzwalds.

In der Entfernung hörten wir mehrfach Raben. Das fällt mir auf, weil ich bei früheren Touren mehrmals Raben gehört und anschließend den Hornisgrinde-Wolf gesehen habe. Daraus lässt sich natürlich kein Zusammenhang ableiten.

Heute folgte auf die Rufe keine Wolfssichtung.

Seit Freitag hatte sich dafür etwas anderes deutlich verändert: Die Pilze waren regelrecht explodiert. Überall standen neue Pilze, darunter zahlreiche auffällige Fliegenpilze.

Badener Höhe: am Morgen waren wir allein

An der Badener Höhe machten wir eine Pause. Im Vergleich zum Freitag war der Unterschied auffällig: Diesmal waren wir dort allein.

Das änderte sich auf dem Rückweg.

Über den Westweg Richtung Sand begegneten uns zahlreiche Wanderer. Mein Eindruck war, dass viele von ihnen zum Naturfreundehaus unterwegs waren, möglicherweise zum Mittagessen.

Damit zeigte sich innerhalb derselben Wanderung ein interessanter Kontrast: Bestimmte Hauptwege werden durchaus intensiv genutzt, während man nur kurze Zeit vorher oder wenige Abschnitte entfernt fast vollkommen allein im Wald sein kann.

Vier Stunden im Gebiet – keine Sichtung des Hornisgrinde-Wolfs

Das Wetter unterschied sich deutlich vom Freitag. Es war warm und ruhig – ein wunderschöner später Septembertag mit bereits herbstlicher Atmosphäre.

Insgesamt waren wir ungefähr vier Stunden im Wald.

Das wichtigste Ergebnis unserer Beobachtung ist gleichzeitig das unspektakulärste:

Keine Sichtung des Hornisgrinde-Wolfs.

Wir hörten Raben. Wir sahen Pilze, Forstwege und später zahlreiche Wanderer auf dem Westweg. Aber während der gesamten Tour sahen wir Grindi nicht.

Wie abgelegen ist der Lebensraum des Hornisgrinde-Wolfs wirklich?

Je häufiger ich dieses Gebiet begehe, desto stärker beschäftigt mich diese Frage.

Auf den Hauptachsen begegnet man Wanderern. Doch schon kurze Strecken davon entfernt können Wald und Wege ausgesprochen ruhig und abgelegen wirken. Der Hornisgrinde-Wolf lebt hier nicht in einem urbanen Raum, sondern in einer großflächigen Waldlandschaft.

Für mich entsteht deshalb eine zunehmende Diskrepanz zwischen der abstrakten Diskussion über Koexistenz und dem Gebiet, das ich tatsächlich erlebe.

Akten, Karten und dokumentierte Begegnungen bilden einen Teil der Realität ab. Viele Stunden zu Fuß durch denselben Lebensraum zeigen einen anderen Teil.

Wir waren vier Stunden dort. Der Wolf vermutlich ebenfalls irgendwo in diesem Gebiet. Begegnet sind wir uns nicht.

Eine einzelne Wanderung beweist selbstverständlich nicht, dass problematische Begegnungen ausgeschlossen sind. Ebenso wenig kann sie das Verhalten eines Wolfs insgesamt beurteilen.

Genau deshalb halte ich es aber für wichtig, auch die Tage zu dokumentieren, an denen nichts geschieht.

Koexistenz bedeutet nicht permanente Begegnung

Wenn über den Hornisgrinde-Wolf gesprochen wird, stehen naturgemäß die ungewöhnlichen Begegnungen im Mittelpunkt. Dadurch kann leicht ein verzerrtes Bild entstehen, wenn die vielen Stunden und Tage ohne Begegnung unsichtbar bleiben.

Meine Beobachtungen ersetzen keine wissenschaftliche Bewertung. Sie dokumentieren lediglich, was wir tatsächlich erleben.

Koexistenz besteht nicht nur aus Begegnungen. Sie besteht zu einem großen Teil daraus, denselben Lebensraum zu nutzen, ohne sich überhaupt zu begegnen.

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