
Hornisgrinde-Wolf am 22.09.2026: Beobachtungsrunde Hundseck – Mehliskopf – Ochsenkopf – Pfriemarkkopf
Am 22. September 2026 startete ich um 14 Uhr am Hundseck. Ziel war eine Runde um und über den Ochsenkopf. Während der Tour hielt ich etwa alle 15 Minuten an und beobachtete das Gelände mit dem Fernglas.
Das Ergebnis: keine Sichtung des Hornisgrinde-Wolfs und kein anderer direkter Hinweis auf seine Anwesenheit.
Interessant war die Runde trotzdem. Zwischen Hundseck, Mehliskopf und Ochsenkopf verändert sich das Gelände auf kurzen Distanzen erheblich. Dichter Wald, steile Hänge, offenere Flächen und lichte Waldabschnitte wechseln sich ab. Die Begehung zeigte vor allem, wie schwierig es ist, in diesem Gelände ein einzelnes Tier systematisch zu beobachten.

Vom Hundseck über den Beckerweg Richtung Ochsenkopf
Das Gebiet ist mir bereits aus der Entnahmephase im Februar bekannt. Damals traf ich hier mehrfach auf Jäger. Bei einer Begegnung waren auch Hunde dabei; außerdem wurden Lock- beziehungsweise Duftstoffe ausgebracht. Wir näherten uns dem Gebiet damals von Sand und von der tiefer gelegenen Seite.
Diesmal begann die Runde am Hundseck. Der erste Abschnitt in Richtung Mehliskopf und weiter zum Beckerweg ist gut begehbar.
Am nördlichen Beckerweg ändert sich das deutlich. Der Weg ist teilweise stark zugewachsen, der Wald dicht und die Sicht in die Fläche eingeschränkt. Zwischen den Baumstämmen entstehen zwar einzelne Sichtachsen, sie enden jedoch häufig nach kurzer Entfernung.
Für einen Beobachter ist dieser Abschnitt deshalb schwierig. Ein Tier könnte hier schnell hinter Vegetation oder Geländeformen verschwinden.
Mehliskopf und Ochsenkopf: Übergang zum Nationalpark

Der Mehliskopf liegt außerhalb des Nationalparks, während der Ochsenkopf zum Nationalpark Schwarzwald gehört.
Mit dem Übergang zum Ochsenkopf verändert sich auch der Charakter des Waldes. Die Fotos meiner Runde zeigen, wie unterschiedlich das Gelände selbst innerhalb dieses relativ kleinen Bereichs ist.
Neben dicht stehenden Bäumen gibt es lichte Waldabschnitte mit Heidelbeerbewuchs und niedriger Vegetation. Dazu kommen Totholz, umgestürzte Bäume, Wurzeln, Felsen und kleinere offene Bereiche.
Dadurch können sich die Sichtverhältnisse innerhalb weniger Meter vollständig verändern.
Südflanke des Ochsenkopfs: steiler Hang und offene Bereiche

Besonders auffällig ist die Südflanke des Ochsenkopfs.
Ein Teil des Weges führt über einen schmalen Pfad entlang eines steilen bewaldeten Hanges. Der Untergrund besteht teilweise aus Steinen, Wurzeln und losem Material. Abseits des Weges fällt das Gelände deutlich ab.
Weiter oben öffnet sich der Wald stellenweise. In dem auf meiner Karte rosa markierten Bereich befindet sich eine offenere Grindenstruktur.
Während der früheren Entnahmephase hatte ich in diesem Umfeld Jäger beobachtet. Warum genau diese Position gewählt wurde, weiß ich nicht. Die offenere Fläche und die Topographie könnten eine Rolle gespielt haben, das bleibt jedoch meine Interpretation.
Auf meiner Karte hatte ich diesen Bereich zunächst als möglichen Engpass für Wildbewegungen markiert. Nach der Begehung würde ich vorsichtiger formulieren: Die Geländeform macht diesen Abschnitt für weitere Beobachtungen interessant. Ob Wild oder speziell der Hornisgrinde-Wolf diesen Bereich tatsächlich bevorzugt nutzt, lässt sich daraus nicht ableiten.
Kernzone Ochsenkopf: Bannwald und ständig wechselnde Sicht

Auf dem Ochsenkopf selbst wird das Gelände anspruchsvoller.
Der Wald wirkt hier teilweise wesentlich ursprünglicher. Stehendes und liegendes Totholz, umgestürzte Bäume, Moos, Heidelbeerbewuchs, Wurzeln und Steine prägen große Teile der Strecke.
Gleichzeitig ist der Wald stellenweise überraschend licht. Zwischen den Bäumen entstehen längere Sichtachsen. Wenige Meter weiter können Unterwuchs, Totholz oder eine Geländekante die Sicht wieder vollständig unterbrechen.
Genau dieser Wechsel war für mich eine der wichtigsten Beobachtungen der Runde: Der Ochsenkopf ist kein einheitlicher Waldraum.
Dichte und offene Strukturen liegen teilweise unmittelbar nebeneinander.
Hoher Ochsenkopf: schwieriges Gelände trotz guter Sichtachsen
Auch im Bereich des Hohen Ochsenkopfs zeigt sich dieser Gegensatz.
Wo der Wald lichter wird, kann man relativ weit zwischen den Stämmen hindurchsehen. Gleichzeitig machen Unebenheiten, Senken, Vegetation und Totholz eine vollständige Übersicht unmöglich.
Hinzu kommt die Topographie. Hänge und kleinere Geländeeinschnitte verändern nicht nur die Sicht, sondern vermutlich auch die lokalen Windverhältnisse.
Für eine systematische Beobachtung ist das schwierig: Ein Standort kann zunächst sehr übersichtlich wirken, während wenige Meter daneben völlig andere Bedingungen herrschen.
Richtung Pfriemarkkopf: ein Bereich für weitere Beobachtungen

Besonders interessant erscheint mir der Abstieg vom Ochsenkopf in Richtung Pfriemarkkopf.
Hier verändert sich die Landschaft erneut. Dichtere Waldflächen, offenere Bereiche und unterschiedliche Hanglagen liegen nahe beieinander. In diesem Umfeld befinden sich außerdem mehrere Hochsitze.
Auf meiner Karte hatte ich diesen Abschnitt als möglichen Wildkorridor markiert.
Nach der Begehung möchte ich auch hier zwischen Beobachtung und Interpretation unterscheiden: Die Topographie macht diesen Bereich interessant, aber sie beweist keinen Wildwechsel. Ebenso wenig lässt sich daraus ableiten, dass der Hornisgrinde-Wolf diese Verbindung zwischen Ochsenkopf und Pfriemarkkopf tatsächlich regelmäßig nutzt.
Das wäre eine Hypothese, die nur durch wiederholte Beobachtungen oder andere belastbare Hinweise überprüft werden könnte.
Kirchweg und Untere Birkenaustraße: Gelände statt Karte
Auch die Bereiche Richtung Kirchweg und Untere Birkenaustraße zeigen, warum eine Karte allein nur einen Teil des Gebietes erklärt.
Auf der Karte erscheinen Wege und Höhenlinien relativ klar. Im Gelände bestimmen dagegen Vegetationsdichte, Totholz, kleine Senken, Steigungen und Sichtbarrieren, was tatsächlich zu erkennen ist.
Gerade beim Ochsenkopf ist dieser Unterschied zwischen Karte und Realität erheblich.
Beobachtung alle 15 Minuten: keine Wolfssichtung
Während der gesamten Runde stoppte ich ungefähr alle 15 Minuten und beobachtete das Gelände mit dem Fernglas. Dabei konzentrierte ich mich besonders auf offenere Bereiche und längere Sichtachsen.
Es gab keine Sichtung des Hornisgrinde-Wolfs.
Auch solche Nullbeobachtungen gehören für mich zur Dokumentation. Eine einzelne Sichtung belegt die Anwesenheit eines Tieres zu einem bestimmten Zeitpunkt an einem bestimmten Ort. Eine mehrstündige Begehung ohne Sichtung zeigt dagegen vor allem, wie wenig sich aus der grundsätzlichen Anwesenheit eines Wolfs über seine Sichtbarkeit zu einem bestimmten Zeitpunkt ableiten lässt.
Auerhuhn, Mäusebussard, Kreuzschnäbel und Kolkraben
Der Wolf blieb unsichtbar, andere Tiere dagegen nicht.
Während der Runde beobachtete ich ein weibliches Auerhuhn, einen Mäusebussard und Kreuzschnäbel. Außerdem flogen Kolkraben über das Gebiet.
Gerade die Begegnung mit dem Auerhuhn zeigt für mich erneut, warum man sich in diesem sensiblen Gebiet zurückhaltend bewegen und die geltenden Wege- und Schutzregeln respektieren sollte.
Ochsenkopf: meine bislang anspruchsvollste Runde
Die Runde über den Ochsenkopf hatte nicht die meisten Höhenmeter meiner bisherigen Touren. Trotzdem war sie für mich eine der körperlich anspruchsvollsten.
Entscheidend ist der Untergrund. Moos, Steine, Wurzeln, Totholz, schmale Pfade und steile Hangpassagen wechseln ständig. Teilweise muss jeder Schritt bewusst gesetzt werden.
Gute Kondition, feste Schuhe und Trittsicherheit sind hier wichtiger als die reine Kilometerzahl vermuten lässt. Bei Nässe würde ich diese Strecke nicht gehen.
Die wichtigste Erkenntnis des Tages war deshalb keine Wolfssichtung – denn die gab es nicht. Es war die Struktur des Gebietes selbst: Zwischen Hundseck, Mehliskopf, Beckerweg, Ochsenkopf und dem Übergang Richtung Pfriemarkkopf verändert sich das Gelände ständig.
Was diese Strukturen für die tatsächlichen Bewegungen des Hornisgrinde-Wolfs bedeuten, lässt sich aus einer einzelnen Begehung nicht bestimmen. Sie erklären aber sehr gut, warum es schwierig ist, einen einzelnen Wolf in diesem Gelände systematisch zu beobachten.
Hornisgrinde-Wolf an der Badener Höhe: 10 Beobachtungspunkte für dokumentierte Nullbeobachtungen
Hornisgrinde-Wolf an der Badener Höhe: 10 Beobachtungspunkte für dokumentierte Nullbeobachtungen
Hornisgrinde-Wolf an der Badener Höhe: Susannes Wanderung ohne Wolfssichtung