Grindi-Wolf: Roland A. über die Vergrämung von GW2672

Der Hornisgrinde-Wolf GW2672 („Grindi“) und die geplante Vergrämung sorgen weiterhin für Diskussionen. Dabei geht es nicht nur um die Durchführung der Maßnahme, sondern auch um Hard Release, Besenderung, mögliche Folgen einer Vergrämung und die Frage, was geschieht, wenn sie nicht den gewünschten Erfolg bringt.

Im folgenden Gastbeitrag beschreibt Roland A. seine persönliche Sicht auf die geplante Vergrämung und deren mögliche Konsequenzen.

Die Vergrämung – Hilfe für den Wolf oder eine linke Tour der Politik?!

Der Hornisgrinde Wolf (GW 2672) soll nun nach den vorliegenden Erkenntnissen „vergrämt“ werden, um dem Tier zu zeigen, dass die Nähe zu Menschen für ihn mit negativen Folgen, in diesem Fall mit Schmerzen und unangenehmen Reizen, einhergeht.

Hierzu muss der Wolf natürlich zunächst erst mal gefangen werden. Das heißt, es werden Fallen aufgestellt, in welcher Form auch immer. Schon hierbei kann es zu Schwierigkeiten und Problemen kommen. Um den Wolf in eine Falle zu locken, wird vermutlich eine Lebendfalle (Käfig) aufgestellt und Futter (Kadaver) ausgelegt. Schon hier zeigen sich die ersten Probleme. Wer garantiert, dass nicht der Wolf, sondern z. B. die im gleichen Habitat lebenden Luchse in diese Falle gehen und hierbei möglicherweise zu Schaden kommen?

Oder wird man Fußfallen auslegen, durch welche sich das Tier (oder andere Tiere) erheblich verletzen könnte?

Sollte der Wolf tatsächlich in eine Falle gehen, wird man ihn betäuben, einen Peilsender anlegen und dann in eine Box sperren.

Es soll eine Hard Release Maßnahme (Schock-Taktik) angewandt werden. Der Wolf wird in der Kiste unangenehmen Reizen ausgesetzt und anschließend beim Verlassen der Box mittels Gummigeschossen o. ä. beschossen. Diese Maßnahme soll dem Wolf Schmerzen zufügen, die ihm zeigen sollen, dass er damit rechnen muss, jedes Mal, wenn er sich Menschen annähert, solchen Schmerzen ausgesetzt zu sein.

Aber nicht allein diese fragwürdige Methode der Vergrämung ist das große Problem, sondern die Absichten und Möglichkeiten im Hintergrund.

Wir sollten nicht vergessen, dass die Regierung den Wolf eigentlich „loshaben“ möchte. Am liebsten würde man der Jäger- und Landwirtschaftslobby den toten Wolf präsentieren. Man muss davon ausgehen, dass dieses Ziel, trotz der angekündigten Maßnahme zur Vergrämung, seitens der Regierungsverantwortlichen vorangetrieben wird und die erwähnte Maßnahme möglicherweise nur eine Augenwischerei für Tier- und Wolfsschützer darstellt, um später zu behaupten, man habe alles versucht.

Schauen wir mal auf die Fakten.

In den letzten Jahren hat das Land Baden-Württemberg mehrere hunderttausend Euro für professionelle Jäger ausgegeben, die GW 2672 zur Strecke bringen sollten. Hunderttausende von Euro für einen Wolf. Aus wirtschaftlicher Sicht, und nur so sehen es die zuständigen Verantwortlichen, ein Debakel, da es den Profis nicht gelungen ist, den Wolf zu erlegen (entnehmen im Politikerdeutsch), der Wochen vor der Abschussgenehmigung noch als ungefährlich eingestuft worden war. Verschwendung von Steuermitteln par excellence.

Und nun diese Vergrämungsaktion. Erneute Kosten. Und was würde geschehen, wenn die Vergrämung nicht klappt? Wieder Berufsjäger? Wieder Kosten?

Es wird wohl komplett anders laufen. Man wird sich dieses „Problems“ auf anderem Wege und „billiger“ entledigen, dafür gibt es mehrere Möglichkeiten.

Der Wolf könnte beim Versuch, ihn zu fangen, aus fadenscheinigen Gründen schon getötet werden – natürlich „nicht absichtlich“, aber das Problem wäre aus der Welt. Zweite Möglichkeit, man erwischt „Grindi“, betäubt ihn und legt ihm einen Peilsender an. Damit wäre das Tier immer und überall zu orten. Nach einer gewissen Zeit wird man behaupten, die Vergrämung habe nicht funktioniert, weil irgendein Bürger / Spaziergänger / Wanderer den Wolf wieder gesehen habe, der sich dem Hinweisgeber genähert hat. Auch hier besteht die Möglichkeit einer Legendenbildung, die dazu führt, dass man den Wolf zum Abschuss freigibt. Und diesmal dürfte das aufgrund des Peilsenders am Tier eine schnelle Sache und für das Land auch eine billige Aktion werden. Man wird das Tier schnell finden und die Möglichkeit haben, es, um es primitiv auszudrücken, abknallen zu können.

Es wundert deshalb doch sehr, wie manche Wolfsschützer einer solchen Vergrämung zustimmen. Wird hier nicht weiter gedacht? Man lässt sich offenbar von skrupellosen Politikern an der Nase herumführen.

Zum Schluss ein Wort zu Nationalparkverwaltung und der FVA. Beide sind nachgeordnete Dienststellen der Landesregierung und die Beschäftigten somit an deren Weisungen gebunden. Es ist davon auszugehen, dass keiner der Mitarbeiter dieser Institutionen sich weigert, entsprechende Maßnahmen und Aktionen durchzuführen, diese behindert, boykottiert oder einfach nicht befolgt. Hier sollte man für diese Mitarbeiter, die nur „Erfüllungsgehilfen“ einer unsäglichen Politik sind, Verständnis aufbringen.

Wofür kein Verständnis aufzubringen ist, sind die Mitwirkung von Naturschutzverbänden / Initiativen / Gruppen oder Einzelpersonen, die den Behörden durch Hinweise oder anderes Zutun ermöglichen, die geschilderten Maßnahmen ohne größere Aufwände durchzuführen.

Der vorgenannte Bericht spiegelt meine individuelle Meinung zu dieser Sache wider. Wer aber ein wenig Einblick in die Abläufe staatlicher Stellen und deren Herangehensweise an diverse „Probleme“ hat, wird die angeführten Verhaltensweisen von Politikern als realistische Beschreibung nicht von der Hand weisen können.

Hinweis von Grindi-Wolf

Dieser Gastbeitrag gibt die persönliche Meinung und Einschätzung von Roland A. wieder. Die darin enthaltenen Bewertungen, Vermutungen und Schlussfolgerungen sind die des Autors und entsprechen nicht notwendigerweise der Position von Grindi-Wolf.

Grindi-Wolf dokumentiert unterschiedliche Perspektiven, Erfahrungen und Beobachtungen rund um den Hornisgrinde-Wolf GW2672. Ziel ist es, verschiedene Stimmen sichtbar und die Entwicklung rund um Grindi nachvollziehbar zu machen. Die Veröffentlichung eines Gastbeitrags bedeutet daher keine Zustimmung zu dessen Inhalt.

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