Grindi-Wolf: Beobachtungen am Bettelmannskopf – Stand 30.08.2026
Seit dem Interview von Marion Gentges in den BNN häufen sich bei Grindi-Wolf.de Anrufe und Nachrichten von Menschen, die den Hornisgrinde-Wolf Grindi gesehen haben. Auch der Autor hat ihn unabhängig davon im selben Gebiet beobachtet. Dieser Beitrag fasst zusammen, was in den letzten zwei Wochen dokumentiert wurde – und warum Grindi-Wolf jetzt einen Schritt weitergeht.

Sichtung, Muster, Schwerpunkt
Die gemeldeten Begegnungen ähneln sich auffällig:
- Sichtung: geschätzte 60 bis 80 Meter Entfernung
- Muster: wenige Sekunden Sichtkontakt, dann schnelle Bewegung ins Unterholz
- Schwerpunkt: der Bettelmannskopf und das angrenzende Gebiet – dort konzentrieren sich sowohl die gemeldeten Sichtungen der vergangenen zwei Wochen als auch die eigenen Beobachtungen des Autors
Gelände, Sichtbarkeit, Tempo
Wer den Bettelmannskopf zu Fuß erkundet, erkennt schnell ein praktisches Problem der angekündigten Vergrämung:
- Gelände: für einen Wolf problemlos durchlässig, für Menschen dagegen schwierig – Hänge, Unterholz, dichter Farn, Totholz
- Sichtbarkeit: immer wieder stark eingeschränkt, selbst auf dem vergleichsweise günstigeren Bettelmannskopf-Plateau
- Tempo: eine eigene Sichtung dort auf etwa 70 Meter Entfernung – wenige Sekunden später war Grindi im Wald verschwunden, ohne auf dem Forstweg zu bleiben
Nach vier Stunden im Gelände fällt es schwer vorzustellen, wie ein Vergrämungsteam sich abseits der Wege gleichzeitig schnell, leise und unbemerkt bewegen und einem Tier ausreichend nähern soll, das selbst innerhalb weniger Sekunden verschwindet.
Monitoring vor Ort: zwei Kameras, ein Fahrzeug

Vor Ort wurden mehrere Standorte des Wildtiermonitorings dokumentiert:
- Kamera 1: im Bereich der Ski-Hütte Ottersweier
- Kamera 2: auf dem Bettelmannskopf-Plateau, anhand ihrer Beschilderung mindestens einer dem Wildtiermonitoring der FVA zuzuordnen
- Fahrzeug: ein unbeschriftetes weißes Fahrzeug mit zwei Männern in der Nähe der Plateau-Kamera, nicht als Jäger erkennbar, weggefahren, bevor eine Annäherung möglich war
Ob die Kameras gezielt Grindi erfassen oder seine beobachteten Bewegungsrichtungen abdecken, lässt sich derzeit nicht belegen. Ebenso wenig lässt sich ein Zusammenhang des Fahrzeugs mit Monitoring oder Vergrämung ableiten – dokumentiert wird hier ausschließlich, was gesehen wurde.
Verhalten, Praktikabilität, Konsequenz
Drei Fragen hängen unmittelbar zusammen:
- Verhalten: Wie reagiert Grindi tatsächlich, wenn er Menschen begegnet?
- Praktikabilität: Ist eine gezielte Vergrämung unter diesen realen Geländebedingungen überhaupt durchführbar?
- Konsequenz: Politisch ist der Ablauf klar formuliert – Vergrämung zuerst, bei deren Scheitern steht die Entnahme im Raum
Angesichts der beschriebenen Bedingungen bestehen erhebliche Zweifel an der praktischen Umsetzbarkeit der angekündigten Vergrämung. Wenn ihr Scheitern am Ende den Weg zu einer Entnahme öffnen kann, müssen diese Fragen nachvollziehbar beantwortet werden.
Beobachten, Dokumentieren, Nicht eingreifen
Grindi-Wolf geht deshalb einen Schritt weiter – mit einer klaren Rollenverteilung:
- Beobachten: Grindi wird weder gesucht noch verfolgt noch selbst vergrämt
- Dokumentieren: unabhängig erfasst wird, wie er sich gegenüber Menschen verhält und unter welchen Bedingungen die Begegnungen stattfinden – Zeitraum, ungefährer Bereich, geschätzte Entfernung, Verhalten, Reaktion auf Menschen, Dauer, Bewegungsrichtung, Geländesituation
- Nicht eingreifen: präzise aktuelle Standorte werden nicht veröffentlicht
Der Bettelmannskopf bleibt dabei ein Schwerpunkt.
Regeln für alle, die selbst hinschauen wollen
Wer sich ein eigenes Bild von den Bedingungen am Bettelmannskopf machen möchte, sollte dabei drei Grenzen einhalten:
- Wege: auf den Wegen bleiben
- Respekt: keine Kameras, Hochsitze oder andere Einrichtungen berühren oder beeinträchtigen; niemanden bei seiner Arbeit behindern
- Abstand: sollte tatsächlich eine Vergrämungsmaßnahme stattfinden – nicht eingreifen, sondern Abstand halten, beobachten und dokumentieren
Eine ruhige Momentaufnahme
Während der rund vier Stunden vor Ort begegneten dem Autor lediglich ein Jogger, ein Mountainbiker und zwei Wanderinnen. Das ist keine Aussage über die allgemeine Besucherfrequenz am Bettelmannskopf, sondern beschreibt ausschließlich die Bedingungen während dieser einen Beobachtung.
Beobachten ja. Dokumentieren ja. Eingreifen nein.
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