Grindi Wolf Schwarzwald – GW2672m einfach erklärt

Grindi: Dieses Mal sind wir vorbereitet

Als ich während der letzten Entnahmephase zum ersten Mal in den Nationalpark ging, regnete es horizontal. Wir hatten keine Vorstellung davon, wo wir laufen sollten oder was uns erwartete.

Die Facebook-Gruppen entstanden spontan und wurden schnell von der Situation überrollt – niemand hatte Erfahrung damit. Informationen, Gerüchte, Sichtungen und Emotionen entwickelten sich gleichzeitig. Mir wurde es zu chaotisch, ich zog mich zurück.

Stattdessen begann ich etwas anderes: Ich ging raus.

Je häufiger ich im Gelände unterwegs war, desto klarer wurde das Bild – Wege, Grenzen des Nationalparks, Hochsitze, Wildwechsel, Verbindungen zwischen den Waldgebieten. Heute ist für mich klar: Sollten wir wieder in eine vergleichbare Situation kommen, beginnen wir nicht bei null.

Nicht wie die Jäger denken – wie der Wolf

Sagt man Natur- oder Wolfsschützern, wir müssten „wie die Jäger denken", entsteht Widerstand. Verständlich, aber am Punkt vorbei.

Wir müssen wie der Wolf denken. Wo ist das Wild? Wo verlaufen die Wildwechsel, die Übergänge, die Deckung, die natürlichen Korridore?

Damit landet man zwangsläufig bei Strukturen, die auch für Jäger interessant sind – denn Wolf und Jäger beobachten dasselbe System: das Wild. Ihre Ziele sind gegensätzlich, aber beide müssen verstehen, wo sich Beutetiere bewegen.

Der Nationalpark endet auf der Karte – nicht für den Wolf

Nach der Entnahmephase begann ich, die Region systematisch zu erkunden. Ende März half kräftiger Schnee: Wildwechsel und Wolfsspuren ließen sich plötzlich viel leichter erkennen und über längere Strecken verfolgen.

Dabei wurde klar: Wer nur auf den Nationalpark schaut, versteht den Lebensraum des Hornisgrinde-Wolfs nicht. Für einen Wolf existiert die Verwaltungsgrenze nicht – entscheidend sind Wald, Deckung, Beute und die Verbindungen dazwischen.

Gerade die Randbereiche sind interessant. Außerhalb des Nationalparks finden sich zahlreiche Hochsitze, häufig dort, wo Gelände, Wege und Wildbewegungen zusammenkommen. Ein Hochsitz beweist keinen Wildkorridor – aber seine Position ist Information. Zusammen mit Wildwechseln, Spuren und Topografie entsteht ein immer genaueres Bild: Wo bewegt sich das Wild – und wo deshalb wahrscheinlich auch der Wolf?

Warum Grindi-Wolf.de entstanden ist

Der Grund war nicht nur der Wolf selbst, sondern die Informationslandschaft als Teil des Konflikts. Behörden, Ministerien, Nationalpark, Jagdverbände und Jäger verfügen über etablierte Kommunikationsstrukturen. Ihre Perspektiven gehören zur Diskussion – dürfen aber nicht die einzigen gut auffindbaren im Internet sein.

Viele engagierte Tierschützer setzen sich enorm für den Wolf ein. Das Problem liegt oft nicht in der Überzeugung, sondern in der Reichweite: Aktivistische Kommunikation erreicht vor allem bereits Überzeugte.

Wir müssen aber die Mitte erreichen – Wanderer, Anwohner, Hundebesitzer, Naturinteressierte, die einfach verstehen wollen, was im Nordschwarzwald geschieht. Genau dort entscheidet sich langfristig die gesellschaftliche Akzeptanz für einen Wolf wie Grindi. Eine Aktivistengruppe lässt sich politisch leicht als Interessengruppe abtun. Schwieriger wird es, wenn normale Bürger präzise Fragen stellen.

Marion Gentges: Handeln ist noch kein Ergebnis

Ministerin Marion Gentges hat sich zum Hornisgrinde-Wolf deutlich geäußert: Vergrämung – und falls diese nicht wirkt, erneut die Entnahme. Das hat Unruhe ausgelöst, doch daraus folgt nicht, dass das Ergebnis bereits feststeht.

In ihrer Sprache taucht immer wieder ein zentraler Begriff auf: Handlungsfähigkeit. Doch Handlungsfähigkeit ist nicht Wirksamkeit. Der Staat kann handeln, Maßnahmen ankündigen, Ressourcen einsetzen. Die entscheidende Frage danach: Hat es funktioniert?

Beim letzten Mal gab es bereits erheblichen Aufwand – Fangversuche, Vergrämung, schließlich die Entnahme. Es wurde also gehandelt. Diesmal reicht es nicht, erneut Handlungsfähigkeit zu demonstrieren. Die relevante Frage lautet: Was soll diesmal konkret anders funktionieren?

Genau dort wird Grindi-Wolf.de künftig hinschauen: Was wurde angekündigt, was war das Ziel, wie wird Erfolg gemessen, welches Ergebnis steht drei, sechs oder zwölf Monate später tatsächlich da? Keine Polemik, keine Scheiternsprognose – Aussage. Maßnahme. Ergebnis. Das ist überprüfbar.

Die Vergrämung ist nicht der entscheidende Punkt

Ich würde mich momentan nicht zu stark auf die angekündigte Vergrämung konzentrieren. Strategisch wichtiger ist die bevorstehende Ranzzeit – und hier haben wir gegenüber der letzten Entnahmephase einen Vorteil: Wir haben Zeit. Zwischen jetzt und Ende November liegen mehrere Monate. Diese Zeit sollten wir nutzen – nicht für Panik oder Spekulation, sondern um die Region zu verstehen.

Bis Ende November: rausgehen und die Landschaft kennenlernen

Wer Grindi schützen will, sollte seinen Lebensraum kennen. Das bedeutet vor allem: Laufen. Öffentliche und freigegebene Wege nutzen, Übergänge zwischen Nationalpark und angrenzenden Wäldern verstehen, Geländeformen und Wildwechsel beobachten.

Auch Hochsitze gehören zu diesem Bild – nicht weil sie einen Wildkorridor markieren oder eine künftige Entnahme vorhersagen, sondern weil ihre Verteilung zeigt, welche Orte aus jagdlicher Perspektive interessant sind. Zusammen mit Wildspuren und Topografie entsteht ein weiteres Informationsniveau. Solche Bereiche werden wir in den kommenden Wochen dokumentieren und veröffentlichen – nicht gegen Jäger, sondern für ein besseres Verständnis der Landschaft, in der Grindi lebt.

Präsenz ist keine Konfrontation

Wir haben keinen Grund, Angst zu haben. Der Hornisgrinde-Wolf gehört zu dieser Landschaft, und Menschen, die wollen, dass er dort weiterleben kann, gehören genauso selbstverständlich in die öffentliche Diskussion. Der Wald ist kein exklusiver Raum einer einzelnen Interessengruppe – dort sind Wanderer, Radfahrer, Naturbeobachter, Hundebesitzer, Forstleute und Jäger unterwegs. Wir ebenfalls.

Präsenz bedeutet keine Konfrontation und keine Jagdbehinderung: Wir bleiben auf erlaubten Wegen, greifen keine Einrichtungen an, stören keine jagdlichen Abläufe. Wir müssen einfach da sein. Laufen. Beobachten. Lernen. Dokumentieren.

Damals begann die Suche nach Orientierung erst, als die Entnahme bereits lief. Dieses Mal haben wir Monate, bevor der Winter beginnt.

Dieses Mal beginnen wir nicht bei null

Niemand kann heute garantieren, welche Entscheidungen im Winter getroffen werden. Aber wir können bestimmen, wie gut wir darauf vorbereitet sind: Wir können die Landschaft kennen, Aussagen von Politik und Behörden dokumentieren, Maßnahmen an ihren Ergebnissen messen – und Informationen bereitstellen, die nicht für eine Aktivistenblase geschrieben sind, sondern für Menschen, die sich selbst ein Bild machen wollen.

Der Hornisgrinde-Wolf darf nicht nur ein Verwaltungsvorgang zwischen Ministerium, Behörden und jagdlichen Interessen werden. Es geht in den kommenden Monaten nicht darum, lauter zu werden, sondern besser vorbereitet zu sein. Ruhig. Informiert. Sichtbar. Selbstbewusst.

Dieses Mal können wir die Landschaft bereits lesen, bevor es darauf ankommt.

Hornisgrinde-Wolf Grindi: Dieses Mal sind wir vorbereitet

Grindi, Wildwechsel und Hochsitze rund um den Nationalpark

Marion Gentges, Entnahme und die Zukunft des Hornisgrinde-Wolfs

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