Grindi Wolf Schwarzwald – GW2672m einfach erklärt

2.400 Einsatzstunden bei Grindi: Was lernte der Hornisgrindewolf aus den Fangversuchen?

Rund 2.400 Einsatzstunden flossen in Fangversuche bei Hornisgrindewolf GW2672m. Grindi lernte offenbar, Fallen zu meiden. Welche Erfahrungen machte er dabei mit Menschen?

Vom Fangversuch zum Umtraining: Was die Geschichte von GW2672m über sein Lernverhalten zeigt

Der Hornisgrindewolf GW2672m, häufig „Grindi“ genannt, soll im August 2026 erneut vergrämt werden. Das Ziel: Der ausgewachsene Wolf soll lernen, mehr Abstand zu Menschen zu halten.

Dabei lohnt sich ein Blick zurück. Denn es ist nicht das erste Mal, dass Menschen gezielt versucht haben, das Verhalten dieses Wolfs zu beeinflussen.

Über einen langen Zeitraum wurde versucht, GW2672m zu fangen und mit einem Sender auszustatten. Nach Berechnungen der Badischen Neuesten Nachrichten kamen dabei mehr als 2.400 Einsatzstunden zusammen.

Die Fangversuche scheiterten. Gleichzeitig zeigen die veröffentlichten Unterlagen etwas Interessantes: Der Wolf scheint aus seinen Erfahrungen gelernt zu haben.

Die Frage ist deshalb nicht nur, ob Grindi heute noch lernen kann.

Es stellt sich auch die Frage: Was hat er bei den bisherigen Maßnahmen bereits gelernt?

Warum sollte der Hornisgrindewolf überhaupt gefangen werden?

Die Fangversuche hatten einen konkreten Zweck.

GW2672m sollte mit einem Sender ausgestattet werden. Damit hätten Fachleute seine Position bestimmen und gezielter versuchen können, ihn zu vergrämen.

Bereits im Februar 2024 wurden deshalb Funkkameras eingesetzt. Sie sollten helfen, den Wolf zu lokalisieren. Anschließend sollten sich Menschen ihm nähern und versuchen, ihn zu erschrecken. Dabei sollte beobachtet werden, wie der Wolf reagiert.

Vier Personen waren nach den veröffentlichten Unterlagen an diesen Versuchen beteiligt.

Das zeigt eine wichtige Unterscheidung:

Fangen und Besendern waren noch nicht die eigentliche Vergrämung.

Sie sollten eine gezieltere Vergrämung erst ermöglichen.

GW2672m geriet tatsächlich in eine Falle

Im Sommer 2024 begann ein umfangreicher Versuch mit Fußfallen.

An insgesamt 28 Stellen wurden solche Fallen eingesetzt. Am 16. Juli 2024 trat GW2672m tatsächlich in eine davon.

Der Wolf konnte sich jedoch befreien.

Danach veränderte sich die Situation.

Die späteren Beobachtungen deuteten nach Einschätzung der Verantwortlichen darauf hin, dass der Wolf gelernt hatte, Fußfallen oder für ihn verdächtige Situationen zu erkennen und zu meiden.

Die Verantwortlichen reagierten darauf. Fallen wurden an andere Stellen verlegt und unterschiedliche Lockmittel eingesetzt.

Trotzdem gelang es nicht mehr, GW2672m zu fangen.

In der späteren Auswertung wird ausdrücklich auf seine Lernfähigkeit hingewiesen. Nach dem ersten Fangereignis habe sich gezeigt, dass der Wolf gegenüber den Fallen beziehungsweise verdächtigen Situationen vorsichtiger geworden sei.

Das ist für die heutige Diskussion über ein „Umtraining“ wichtig.

Denn es zeigt zumindest eines:

GW2672m kann Erfahrungen machen und sein Verhalten daraufhin verändern.

Auch das Betäubungsgewehr führte nicht zum Erfolg

Nachdem die Fangversuche mit Fußfallen nicht erfolgreich waren, wurde versucht, GW2672m mit einem Betäubungsgewehr ruhigzustellen.

Dafür musste man dem Wolf allerdings relativ nahe kommen.

Auch das gelang nicht.

Besonders interessant sind zwei dokumentierte Versuche aus dem Februar 2025.

Am 23. Februar versuchte eine Person mit Betäubungsgewehr und in Begleitung eines Hundes etwa eine Stunde lang, eine ausreichend geringe Distanz zu GW2672m herzustellen.

Der Wolf kam nicht näher als ungefähr 100 Meter.

Zwei Tage später wurde ein ähnlicher Versuch über rund 40 Minuten wiederholt. Diesmal unterschritt GW2672m eine Distanz von etwa 70 Metern nicht.

Das steht zunächst in einem auffälligen Verhältnis zu den heute häufig genannten Begegnungen mit Spaziergängern und Hunden in Entfernungen von weniger als 30 Metern.

Es bedeutet jedoch nicht, dass sich diese Angaben widersprechen müssen.

Eine gezielte Fangaktion und eine zufällige Begegnung zwischen Wolf, Spaziergänger und Hund sind unterschiedliche Situationen.

Gerade deshalb sind die Unterschiede interessant.

Warum verhielt sich Grindi gegenüber den Fangteams anders?

Diese Frage lässt sich aus den veröffentlichten Unterlagen nicht eindeutig beantworten.

Vielleicht erkannte der Wolf ungewöhnliche Situationen. Vielleicht reagierte er auf bestimmte Personen, Gerüche, Ausrüstung oder Verhaltensweisen. Vielleicht spielten andere Faktoren eine Rolle.

Das wäre Spekulation.

Belegt ist lediglich: Bei den genannten Versuchen gelang es den beteiligten Personen trotz Hund nicht, die für eine Betäubung erforderliche Nähe herzustellen.

Gleichzeitig wurden aus anderen Situationen wesentlich geringere Abstände zwischen GW2672m und Menschen beziehungsweise Menschen mit Hunden gemeldet.

Damit entsteht eine Frage, die für die Bewertung seines Verhaltens wichtig sein könnte:

Welche Merkmale unterscheiden Situationen, in denen GW2672m Menschen meidet, von Situationen, in denen er sich ihnen nähert oder ihnen folgt?

Was bedeuten die 2.400 Einsatzstunden?

Die Zahl von mehr als 2.400 Einsatzstunden zeigt zunächst vor allem den Umfang des Aufwands.

Sie beweist nicht, dass GW2672m dadurch seine geringe Distanz zu Menschen entwickelt hat.

Eine solche Kausalität lässt sich aus den uns vorliegenden Unterlagen nicht ableiten.

Die dokumentierte Reaktion auf die Fußfalle zeigt allerdings, dass menschliche Eingriffe bei diesem Wolf Lernprozesse auslösen können.

Damit entsteht eine zweite, bislang kaum diskutierte Beziehung:

Verhalten des Wolfs → führt zu Managementmaßnahmen.

Aber möglicherweise gilt auch:

Managementmaßnahmen → erzeugen Erfahrungen beim Wolf → können sein späteres Verhalten beeinflussen.

Wie groß dieser zweite Effekt bei GW2672m war und in welche Richtung er wirkte, geht aus den vorliegenden Dokumenten nicht hervor.

Genau diese Wissenslücke ist wichtig.

Welche Rolle spielte die Fangmethode?

Auch die Auswahl der Fangmethoden gehört deshalb zur Aufarbeitung.

Bei einem Vortrag äußerte der Wolfsexperte Peter Sürth nach unserer Erinnerung die Frage, inwieweit Erfahrungen aus Nordamerika und der Einsatz eines amerikanischen Trappers auf europäische Wölfe übertragen werden können.

Diese Aussage können wir derzeit nicht durch eine veröffentlichte Mitschrift oder Aufzeichnung des Vortrags belegen. Sie sollte deshalb nicht als gesicherte Feststellung behandelt werden.

Die dahinterliegende Sachfrage bleibt dennoch prüfbar:

Welche externen Fachleute waren an der Entwicklung der Fangstrategie beteiligt, welche Erfahrungen brachten sie mit und warum wurden die verwendeten Methoden für GW2672m ausgewählt?

Die veröffentlichten Unterlagen sprechen von einer intensiven Abstimmung mit verschiedenen externen Experten. Namen und jeweilige Funktionen werden an dieser Stelle jedoch nicht genannt.

Vom Fangen zum erneuten Vergrämen

Im August 2026 steht GW2672m wieder vor einem Lernversuch.

Nationalpark, FVA und zuständiges Ministerium wollen erneut versuchen, dem Wolf mehr Abstand zu Menschen beizubringen. Gleichzeitig wird darauf hingewiesen, dass ein solches Umtraining bei einem ausgewachsenen Wolf schwierig sein könnte.

Damit verbindet sich die Vergangenheit unmittelbar mit der Gegenwart.

Der Hornisgrindewolf hat bereits gezeigt, dass er aus einer negativen Erfahrung lernen kann: Nach dem Fangereignis wurde er gegenüber weiteren Fallen offenbar vorsichtiger.

Jetzt soll er etwas anderes lernen:

Nicht nur Fallen meiden, sondern Menschen stärker meiden.

Ob das gelingt, ist offen.

Ebenso offen ist eine andere Frage: Welche Erfahrungen hat GW2672m während der jahrelangen Versuche, ihn zu lokalisieren, anzunähern, zu fangen und zu besendern, bereits mit Menschen gemacht?

Die 2.400 Einsatzstunden beantworten diese Frage nicht.

Sie machen aber deutlich, warum sie gestellt werden sollte.

Grindi und die 2.400 Einsatzstunden: Was die Fangversuche zeigen

Hornisgrindewolf GW2672m: Fangversuche, Lernen und Vergrämung

Warum Grindi Fallen mied – und was über sein Lernverhalten offenbleibt

SWR: Begegnungen zwischen Hornisgrindewolf, Menschen und Hunden

Umweltministerium Baden-Württemberg: Entscheidungen und Maßnahmen zum Hornisgrindewolf

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