25. April 2026
Weiderecht und alte Traditionen
Warum nicht die Kulturlandschaft, sondern die Nutzung selbst auf dem Spiel steht
Nicht der Wolf entscheidet über die Zukunft der Kulturlandschaft, sondern ob Weideflächen weiter genutzt werden können – denn ohne funktionierende Nutzung und verlorene alte Traditionen geht das Weiderecht schrittweise verloren.
Kulturlandschaft ist das Ergebnis von Nutzung
Kulturlandschaft wird oft als schützenswertes Bild dargestellt.
Tatsächlich ist sie ein Nebenprodukt funktionierender Weidenutzung.
- Beweidung hält Flächen offen
- Nutzung verhindert Verbuschung
- Pflege entsteht durch Arbeit, nicht durch Politik
Ohne Nutzung verschwindet die Landschaft automatisch.
→ Die entscheidende Ebene ist nicht das Bild, sondern die Nutzbarkeit
Der Wolf verändert das System – nicht das Prinzip
Der Wolf ist zurück und wird bleiben.
- Reviere werden immer wieder besetzt
- Abschüsse lösen das Grundproblem nicht
- das System passt sich nicht durch Eingriffe an einzelne Tiere an
→ Der Wolf ist eine dauerhafte Rahmenbedingung
Die Frage ist daher nicht, ob er da ist, sondern ob das System funktioniert.
Alte Traditionen der Schäferei als Schlüssel
Hier liegt ein zentraler, oft übersehener Punkt:
Frühere Weidesysteme waren aktiv organisiert und auf Risiko ausgelegt.
Wichtige Elemente:
- Nachtpferche (Schutz in der Nacht)
- Herdenschutzhunde als integriertes System
- Wanderschäferei (flexible Nutzung der Flächen)
- aktive Betreuung statt passiver Zaunhaltung
Diese alten Traditionen waren kein „Brauchtum“, sondern funktionale Systeme gegen Prädation.
Heute fehlen sie weitgehend.
→ Das aktuelle System ist auf Effizienz ohne Risiko ausgelegt
Realität der Weidetierhaltung (z. B. in Bayern und den Alpen)
In vielen Regionen sind die Anforderungen schwer umsetzbar:
- steile und schwer zugängliche Flächen
- touristische Nutzungskonflikte
- fragmentierte Weideflächen
- hoher zusätzlicher Arbeitsaufwand
Standardlösungen wie Zäune oder permanente Kontrolle stoßen hier an Grenzen.
→ Anpassung ist möglich, aber nicht überall realistisch
Weiderecht als eigentlicher Kern
Weiderecht existiert nur, wenn Flächen genutzt werden.
Wenn Nutzung aus wirtschaftlichen oder praktischen Gründen entfällt:
- Flächen werden aufgegeben
- Ansprüche verlieren ihre Grundlage
- langfristig geht das Weiderecht verloren
→ Nicht das Tier verschwindet zuerst, sondern die Nutzung
Politische Debatte greift zu kurz
Häufiger Fokus:
- Schutz der Kulturlandschaft
- Regulierung des Wolfs
Das blendet den Kern aus:
→ Kann Weidetierhaltung unter realen Bedingungen bestehen?
Ohne tragfähige Antwort:
- steigt der Druck auf Betriebe
- nimmt Flächenaufgabe zu
- verliert das System seine Grundlage
Systemperspektive
Der Ablauf ist klar:
- Wolf erhöht Anforderungen
- alte Traditionen fehlen
- Anpassung gelingt nicht überall
- Nutzung bricht weg
- Weiderecht verliert Grundlage
- Kulturlandschaft verschwindet
Fazit
Die Diskussion um den Wolf greift zu kurz, wenn sie bei der Kulturlandschaft stehen bleibt.
Entscheidend ist:
→ Erhalt der Nutzung durch funktionierende Systeme und Wiederaufbau alter Traditionen
Denn ohne Nutzung gibt es keine Weiderechte –
und ohne Weiderechte verschwindet die Landschaft von selbst.
Autonomer Herdenschutz im Kontext des Bundesjagdgesetzes
Klaus Mack, Schäferei und Wolfsdebatte: Nachfrage, Einkommen und strukturelle Fragen (Stand: 29.03.2026)