3. Mai 2026
Sozial Walking lernen · Wolf verstehen
Die Entnahmephase rund um den Wolf „Grindi“ hat gezeigt: Ohne Verständnis für Gelände und Bewegungsmuster entstehen schnell Fehlinterpretationen. Sozial Walking setzt genau hier an
Erfahrung aus der Entnahmephase
Die Zeit der geplanten Entnahme des Wolfs „Grindi“ im Nordschwarzwald war für viele Beteiligte intensiv und belastend.
Am Ende konnte die Entnahme durch gemeinsames Handeln verhindert werden.
Wichtiger als die Situation selbst ist das, was man daraus lernen kann.
Mein Hintergrund
Ich komme aus Scotland und bin in einer Schäferfamilie aufgewachsen.
Früh hatte ich Kontakt zur Natur, zur Jagd und auch zu den weniger offiziellen Seiten davon.
Seit meinem 14. Lebensjahr beobachte ich Vögel – inzwischen seit über 40 Jahren.
Wichtig:
Ich bin kein Wolfsexperte.
Ich arbeite über etwas anderes:
→ Spuren lesen und Bewegungen verstehen
Lernphase nach der Entnahme
Seit dem Ende der Entnahmephase habe ich rund 60 Stunden im Gebiet verbracht.
Ein klarer Schwachpunkt am Anfang war:
Ich war nicht ortskundig.
Das hat sich verändert.
Durch die Zeit im Gelände habe ich:
- Wege und Übergänge besser verstanden
- typische Bewegungsräume erkannt
- ein klareres Bild vom Terrain entwickelt
Dieses Wissen entsteht nur draußen – nicht am Schreibtisch.
Und genau dieses Verständnis sollte weitergegeben werden.
Das Problem: fehlendes Verständnis für Gelände
Während der Entnahmephase wurde deutlich:
Viele Menschen hatten gute Absichten, aber wenig Erfahrung mit natürlicher Raumlogik.
Typische Wissenslücken:
- Wildwechsel (regelmäßige Wege von Tieren)
- Wildkorridore (Verbindungsachsen zwischen Lebensräumen)
- Übergänge zwischen Wald, Offenland und Siedlung
- Verhalten von Tieren unter menschlichem Einfluss
Ohne dieses Verständnis entstehen falsche Einschätzungen – und daraus folgen oft falsche Reaktionen.
Sozial Walking – was bedeutet das?
„Sozial Walking“ ist bewusst so benannt, um sich vom bekannten „Social Walking“ mit Hunden zu unterscheiden.
Es geht nicht darum:
- den Wolf zu suchen
- ihn zu verfolgen
- ihn zu kontrollieren
Es geht darum:
- Landschaft lesen lernen
- Spuren und Hinweise erkennen
- Bewegungsmuster verstehen
- ruhig und bewusst im Gebiet unterwegs sein
→ Präsenz ohne Eingriff
Ein praktischer Punkt
Während der Entnahmephase war ich mehrfach in der Nähe von Jägern unterwegs.
Nicht zufällig, sondern weil ich verstanden habe, wie sie sich im Gelände bewegen.
Das zeigt:
Wer Bewegungsmuster versteht, kann Situationen besser einordnen.
Die zweite Ebene: die Online-Diskussion
Parallel zur Situation im Gelände wurde die Diskussion stark geprägt von:
- Jägern
- politischen Akteuren
- Medien mit zugespitzter Darstellung
Das führt schnell zu einem einseitigen Bild.
Meine Antwort darauf war der Aufbau eigener Seiten:
- zur Erklärung
- zur Einordnung
- als Gegengewicht
Ziel: ein vollständigeres Bild schaffen.
Grundgedanke
Ein wichtiger Punkt (auch von Peter Sürth angesprochen):
Jede Tierart braucht einen Raum, in dem sie möglichst ungestört leben kann.
Wenn dieser Raum fehlt, entstehen automatisch Konflikte.
Was bedeutet das für die Zukunft?
- Der Wolf wird bleiben
- Begegnungen werden häufiger
- Konflikte lassen sich nicht komplett vermeiden
Aber:
Man kann lernen, sie besser zu verstehen.
Warum Sozial Walking sinnvoll ist
Sozial Walking schafft:
- mehr Verständnis für die Landschaft
- realistischere Einschätzungen
- weniger emotionale Reaktionen
- mehr Sicherheit im Umgang mit dem Thema Wolf
FAQ
Geht es darum, den Wolf zu finden?
Nein. Es geht darum, das Gebiet zu verstehen.
Ist das eine Form von Eingriff?
Nein. Es geht um Beobachtung und Präsenz.
Braucht man Vorkenntnisse?
Nein. Das Wissen wird gemeinsam aufgebaut.
Warum ist das wichtig?
Weil viele Konflikte durch falsche Einschätzung entstehen – nicht durch den Wolf selbst.
Kernaussage
Ich arbeite nicht als Wolfsexperte, sondern über das Verstehen von Spuren und Bewegungen.
Die Erfahrung aus über 60 Stunden im Gelände zeigt:
Wer den Raum versteht, versteht auch den Wolf besser.
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